Die Stockwerke des Regenwaldes einfach erklärt
Der tropische Regenwald ist vertikal in mehrere Stockwerke gegliedert: Über allem ragen einzelne Baumriesen als Überstand hervor, darunter bildet das dichte Kronendach das eigentliche Dach des Waldes, es folgen der Unterwuchs mit Strauchschicht, die spärliche Krautschicht und schließlich der dunkle Waldboden. Licht, Klima und Bewohner ändern sich von Schicht zu Schicht deutlich.
Kaum ein Merkmal beschreibt den Regenwald so treffend wie seine Schichtung. Weil das Wasser reicht und das Klima ganzjährig warm ist, konkurrieren die Pflanzen vor allem um Licht. Das Ergebnis ist ein Stockwerkbau, in dem sich das Sonnenlicht von oben nach unten dramatisch verringert. Nur wenige Prozent des Lichts erreichen den Boden. Jede Etage bietet dadurch eigene Lebensbedingungen und eigene Bewohner.
Welche Stockwerke hat der Regenwald?
Fachleute unterscheiden meist vier bis fünf Schichten. Von oben nach unten sind das die Überstände (Emergenten), das Kronendach, der Unterwuchs mit Strauchschicht, die Krautschicht und der Waldboden. Die Grenzen sind fließend, und nicht jeder Wald zeigt alle Schichten gleich deutlich ausgeprägt.
| Stockwerk | Höhe (ungefähr) | Licht & Klima | Typische Bewohner |
|---|---|---|---|
| Überstand / Emergenten | über 45–60 m | volles Sonnenlicht, heiß, windig, trocken | Greifvögel wie die Harpyie, Fledermäuse, Adler |
| Kronendach | etwa 30–45 m | hell, aber windgeschützt, sehr feucht | Affen, Papageien wie der Ara, Faultiere, unzählige Insekten |
| Unterwuchs / Strauchschicht | etwa 5–20 m | gedämpftes Licht, schwül, windstill | Kleinsäuger, Schlangen, Frösche, Kletterpflanzen |
| Krautschicht | bis etwa 5 m | sehr dunkel, konstant feucht und warm | Farne, Jungpflanzen, Insekten, Amphibien |
| Waldboden | Bodenniveau | nahezu dunkel, gleichbleibend feuchtwarm | Zersetzer, Insekten, Pilze, Bodenwühler |
Was passiert im Kronendach?
Das Kronendach ist das artenreichste Stockwerk und wird oft als eigenes Ökosystem betrachtet. Hier verzahnen sich die Baumkronen zu einem geschlossenen grünen Dach, das den größten Teil des Sonnenlichts abfängt und darum die höchste Photosyntheseleistung erbringt. In dieser lichtdurchfluteten, aber windgeschützten Etage findet sich der Großteil der Tierwelt: kletternde Säugetiere, Vögel, Reptilien und eine kaum zu überblickende Vielfalt an Insekten. Aufsitzerpflanzen wie Orchideen und Bromelien nutzen die Äste als Wohnort, um näher ans Licht zu gelangen.
Warum ragen einzelne Bäume über den Wald hinaus?
Die Emergenten oder Überständer sind einzelne Baumriesen, die das Kronendach um viele Meter überragen und Höhen von 50 bis über 60 Metern erreichen können. Der Kapokbaum ist ein bekanntes Beispiel. In dieser Höhe herrscht volles Sonnenlicht, aber auch starker Wind, große Hitze und eine für den Regenwald ungewöhnliche Trockenheit. Nur besonders robuste Arten trotzen diesen Bedingungen. Große Greifvögel nutzen die freistehenden Kronen als Aussichts- und Nistplätze.
Was lebt im Unterwuchs und in der Krautschicht?
Zwischen Kronendach und Boden liegen die dämmrigen Mittelschichten. Der Unterwuchs mit seiner Strauchschicht besteht aus jungen Bäumen, die auf einen Platz an der Sonne warten, sowie aus schattenverträglichen Sträuchern. Hier ranken sich Lianen empor und hängen Luftwurzeln herab. Die Luft steht nahezu windstill, die Feuchtigkeit ist hoch. In der noch dunkleren Krautschicht darunter wachsen Farne, Jungpflanzen und großblättrige Gewächse, die das wenige Restlicht optimal ausnutzen. Diese Etagen sind das Reich vieler Frösche, Schlangen, Insekten und kleiner Säugetiere, die im Schutz der Blätter jagen und sich verstecken. Für viele Tiere sind die Mittelschichten zugleich Wanderweg zwischen Kronendach und Boden.
Wie sieht es am Waldboden aus?
Am Boden herrscht ständiges Zwielicht, denn nur ein bis zwei Prozent des Sonnenlichts dringen bis hierher vor. Anders als oft angenommen ist der Boden daher meist erstaunlich frei von dichtem Bewuchs, echte Dickichte entstehen erst dort, wo Licht durchfällt, etwa an Flussufern oder Lichtungen. Auf dem Boden fällt herabgefallenes Laub schnell dem Zersetzungsprozess anheim. Pilze, Bakterien und Kleintiere bauen die Streu in kürzester Zeit ab und speisen so den Nährstoffkreislauf des Regenwaldes.
Wie viele Stockwerke hat ein Regenwald?
Meist unterscheidet man vier bis fünf Schichten: den Überstand der Emergenten, das Kronendach, den Unterwuchs mit Strauchschicht, die Krautschicht und den Waldboden. Die Übergänge sind fließend.
In welchem Stockwerk leben die meisten Tiere?
Im Kronendach. Es ist das artenreichste Stockwerk, weil hier viel Licht, Nahrung in Form von Früchten und Blättern sowie zahlreiche Nischen zusammenkommen.
Warum ist es am Waldboden so dunkel?
Das dichte Kronendach fängt fast das gesamte Sonnenlicht ab. Nur etwa ein bis zwei Prozent erreichen den Boden, weshalb dort kaum lichthungrige Pflanzen wachsen.
Was sind Emergenten?
Emergenten oder Überständer sind einzelne Baumriesen, die das geschlossene Kronendach deutlich überragen. Sie erreichen oft 50 bis über 60 Meter Höhe und sind extremem Wind und Sonne ausgesetzt.
Wer die Schichtung verstanden hat, erkennt sie in der gesamten Tierwelt des Regenwaldes wieder. Wie das Klima die einzelnen Etagen prägt, zeigt der begleitende Grundlagenbeitrag.