Warum sind die Böden im Regenwald so nährstoffarm?
Die Böden tropischer Regenwälder sind trotz üppiger Vegetation nährstoffarm. Sie sind alt, tiefgründig verwittert und durch die hohen Niederschläge ausgewaschen. Typisch sind rötliche Ferralsole und Laterit. Der eigentliche Nährstoffvorrat steckt nicht im Boden, sondern in der lebenden Biomasse. Deshalb bricht die Fruchtbarkeit nach einer Rodung meist schon nach wenigen Jahren zusammen.
Es klingt widersprüchlich: Der artenreichste Wald der Erde wächst auf einigen der ärmsten Böden. Doch genau darin liegt eines der faszinierendsten Prinzipien des Regenwaldes. Nicht der Boden nährt den Wald, sondern der Wald erhält sich weitgehend selbst, indem er seine Nährstoffe in einem nahezu geschlossenen Kreislauf festhält.
Warum sind die Böden trotz üppiger Pflanzen so arm?
Viele tropische Böden sind geologisch sehr alt und über Jahrmillionen verwittert. Die ständigen, hohen Niederschläge waschen lösliche Nährstoffe wie Kalzium, Kalium und Magnesium in tiefere Schichten aus, wo sie den Pflanzenwurzeln nicht mehr zur Verfügung stehen. Zurück bleiben vor allem schwer lösliche Eisen- und Aluminiumverbindungen, die dem Boden seine typische rote bis ockerfarbene Tönung geben. Die üppige Vegetation täuscht daher über die geringe Bodenfruchtbarkeit hinweg.
Was sind Ferralsole und Laterit?
Ferralsole sind die verbreitetsten Böden der immerfeuchten Tropen. Sie sind tiefgründig, stark verwittert und arm an Pflanzennährstoffen, aber reich an Eisen- und Aluminiumoxiden. Als Laterit bezeichnet man verhärtete, eisenreiche Bodenkrusten, die entstehen können, wenn solche Böden nach Entwaldung der Sonne und wechselnder Feuchte ausgesetzt sind. Einmal ausgetrocknet, verhärten sie ziegelartig und lassen sich kaum noch bepflanzen. Beide sind eng an das warmfeuchte Klima des Regenwaldes gebunden.
Wo stecken die Nährstoffe, wenn nicht im Boden?
Der weitaus größte Teil der Nährstoffe ist in der lebenden und toten Biomasse gebunden, also in Bäumen, Pflanzen, Tieren und der dünnen Streuschicht am Boden. Fällt ein Blatt oder ein Ast, wird das Material im warmfeuchten Klima innerhalb von Wochen von Pilzen und Bodenlebewesen zersetzt. Die frei werdenden Nährstoffe nehmen die Wurzeln, oft mit Hilfe symbiotischer Pilze, fast unmittelbar wieder auf, bevor der Regen sie auswaschen kann. Dieser rasche, effiziente Nährstoffkreislauf ist der Schlüssel zum Funktionieren des Waldes.
| Merkmal | Böden im tropischen Regenwald |
|---|---|
| Alter | oft sehr alt, über Jahrmillionen verwittert |
| Nährstoffgehalt | gering, stark ausgewaschen |
| Typische Böden | Ferralsole, teils Laterit |
| Farbe | rötlich bis ocker durch Eisen- und Aluminiumoxide |
| Nährstoffspeicher | überwiegend in der lebenden Biomasse |
| Zersetzung | sehr schnell durch Wärme und Feuchte |
Was bedeutet das für die Landwirtschaft?
Wird der Wald gerodet, geht mit der Biomasse der Großteil der Nährstoffe verloren. Die Asche einer Brandrodung düngt den Boden nur kurzfristig. Bereits nach wenigen Jahren sind die Nährstoffe aufgebraucht oder ausgewaschen, die Erträge sinken, und die Flächen verarmen oder verhärten zu Laterit. Traditionelle Wanderfeldwirtschaft trug dem Rechnung, indem sie Felder nach kurzer Nutzung brachliegen ließ. Moderne, dauerhafte Landnutzung hingegen ist ein wesentlicher Treiber der Bedrohung des Regenwaldes, weil sie immer neue Flächen erschließen muss. Das erklärt, warum gerodete Regenwaldflächen sich nur schwer regenerieren und warum ihr Schutz so wichtig ist.
Gibt es auch fruchtbare Regenwaldböden?
Nicht alle Tropenböden sind arm. Wo junges Ausgangsgestein für Nachschub an Mineralen sorgt, können deutlich fruchtbarere Böden entstehen. Das gilt etwa für vulkanische Regionen, wie Teile Indonesiens oder Mittelamerikas, wo Aschen und Lava frische Nährstoffe liefern. Auch in periodisch überschwemmten Flussauen, im Amazonasgebiet Várzea genannt, lagert das Hochwasser nährstoffreichen Schlamm ab und erneuert so den Boden Jahr für Jahr. Solche Standorte sind allerdings die Ausnahme. Der weitaus größte Teil der Regenwaldfläche steht auf alten, ausgelaugten Böden, deren Fruchtbarkeit allein vom lebenden Wald aufrechterhalten wird.
Warum sind Regenwaldböden rot?
Durch die starke Verwitterung reichern sich Eisen- und Aluminiumoxide an. Diese verleihen den Böden ihre typische rote bis ockerfarbene Färbung, während lösliche Nährstoffe längst ausgewaschen sind.
Kann man auf gerodetem Regenwaldboden dauerhaft Landwirtschaft betreiben?
Nur schwer. Die Nährstoffe sind nach wenigen Jahren erschöpft, die Erträge fallen, und die Böden können zu hartem Laterit verhärten. Dauerhafte Nutzung erfordert meist Düngung oder immer neue Rodungen.
Was ist Laterit?
Laterit ist eine eisenreiche, verhärtete Bodenkruste. Sie kann entstehen, wenn stark verwitterte Tropenböden nach der Entwaldung austrocknen und ziegelartig aushärten, sodass kaum noch Pflanzen darauf wachsen.
Wie kann ein so reicher Wald auf armem Boden wachsen?
Weil die Nährstoffe im Kreislauf zwischen Pflanzen, Zersetzern und Wurzeln zirkulieren, statt im Boden gespeichert zu werden. Der Wald recycelt seine Nährstoffe schnell und verliert dadurch kaum etwas.
Wie genau dieser Kreislauf funktioniert, vertieft der Beitrag zum Ökosystem und Nährstoffkreislauf. Grundlegendes zum Waldtyp erklärt die Seite Was ist ein Regenwald.