Welche Bedeutung hat der Regenwald fürs Klima?

Tropische Regenwälder sind riesige Kohlenstoffspeicher und bremsen damit die Erderwärmung. Als grüne Lunge gelten sie zu Recht, allerdings verbrauchen sie fast den gesamten selbst erzeugten Sauerstoff wieder, der Nettoüberschuss ist gering. Wichtiger ist ihre Rolle im Wasserkreislauf: Über fliegende Flüsse verteilen sie Feuchtigkeit über ganze Kontinente. Bei zu starker Rodung droht ein Kipppunkt.

Kaum ein Ökosystem wird so oft mit dem Weltklima in Verbindung gebracht wie der Regenwald, und das aus gutem Grund. Seine Wirkung reicht weit über die eigenen Grenzen hinaus und beeinflusst Temperatur, Niederschlag und Kohlenstoffhaushalt der gesamten Erde. Einige populäre Bilder sind dabei allerdings ungenau und verdienen eine sachliche Einordnung.

Warum ist der Regenwald ein Kohlenstoffspeicher?

In der gewaltigen Biomasse tropischer Regenwälder, in Stämmen, Ästen, Blättern und Wurzeln, ist enorm viel Kohlenstoff gebunden. Solange der Wald steht, bleibt dieser Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen. Wird der Wald jedoch gerodet oder verbrannt, gelangt der gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid frei. Entwaldung zählt deshalb zu den bedeutenden Quellen menschengemachter Treibhausgase. Der Erhalt der Wälder ist somit eines der wirksamsten Mittel im Schutz des Regenwaldes und des Klimas zugleich.

Ist der Regenwald wirklich die grüne Lunge der Erde?

Das Bild von der grünen Lunge ist eingängig, aber irreführend. Zwar produzieren die Pflanzen bei der Photosynthese große Mengen Sauerstoff, doch der Wald verbraucht durch die Atmung seiner Pflanzen, Tiere und vor allem der zahllosen Zersetzer nahezu ebenso viel wieder. Netto bleibt ein ausgereifter Regenwald daher weitgehend im Gleichgewicht und liefert kaum überschüssigen Sauerstoff. Der oft genannte Anteil von rund einem Fünftel des Weltsauerstoffs beschreibt die Bruttoproduktion, nicht den tatsächlichen Nettobeitrag. Die eigentliche Klimaleistung des Waldes liegt nicht im Sauerstoff, sondern im Kohlenstoff und im Wasserhaushalt. Diese Zusammenhänge hängen eng mit dem Ökosystem und Nährstoffkreislauf zusammen.

Was sind fliegende Flüsse?

Über dem Regenwald verdunsten täglich riesige Wassermengen. Ein einzelner großer Baum kann Hunderte Liter am Tag abgeben. Diese Feuchtigkeit steigt auf, bildet Wolken und wird als sogenannte fliegende Flüsse mit dem Wind über weite Strecken transportiert. Für den Amazonas ist belegt, dass diese Luftfeuchtigkeit den Niederschlag über weiten Teilen Südamerikas mitversorgt und bis in fernere Anbaugebiete reicht. Der Wald erzeugt sich damit einen Teil seines eigenen Regens und stabilisiert zugleich das Klima ganzer Regionen. Fällt der Wald, kann diese Feuchtigkeitspumpe ins Stocken geraten.

KlimafunktionWirkung
Kohlenstoffspeicherbindet große Mengen Kohlenstoff in der Biomasse
Sauerstoffhohe Bruttoproduktion, aber geringer Nettoüberschuss
Wasserkreislaufverteilt Feuchtigkeit über fliegende Flüsse
Temperaturkühlt regional durch Verdunstung und Beschattung

Was bedeutet der Kipppunkt des Amazonas?

Weil sich der Amazonas einen Großteil seines Regens selbst erzeugt, hängt sein Fortbestand von einer ausreichend großen Waldfläche ab. Fachleute warnen vor einem Kipppunkt: Wird zu viel Wald gerodet, könnte die Feuchtigkeitspumpe zu schwach werden, um den Wald zu erhalten. Teile des Regenwaldes würden dann austrocknen und sich langfristig in savannenartige Vegetation verwandeln, ein Prozess, der sich kaum umkehren ließe und zusätzlich riesige Mengen Kohlenstoff freisetzen würde. Wie nah dieser Punkt ist, wird intensiv erforscht und kontrovers diskutiert. Sicher ist, dass fortschreitende Bedrohung durch Entwaldung das Risiko erhöht. Genau deshalb ist der Erhalt der Wälder auch eine Frage der globalen Klimastabilität.

Wie kühlt der Regenwald das lokale Klima?

Neben Kohlenstoff und Wasserkreislauf wirkt der Wald auch unmittelbar auf die Temperatur. Über die Verdunstung an den Blättern entzieht er der Umgebung Wärme, ähnlich wie schwitzende Haut den Körper kühlt. Zugleich beschattet das dichte Kronendach den Boden. Gemessen wird über intaktem Regenwald daher eine spürbar niedrigere Oberflächentemperatur als über gerodeten Flächen, die sich in der Sonne stark aufheizen. Diese kühlende Wirkung reicht bis in die Region hinein und dämpft Hitzeextreme. Verschwindet der Wald, steigt nicht nur der Kohlendioxidgehalt der Luft, auch das lokale Klima wird heißer und trockener, was wiederum den verbliebenen Wald zusätzlich unter Druck setzt.

Produziert der Regenwald wirklich 20 Prozent unseres Sauerstoffs?

Diese Zahl bezieht sich auf die Bruttoproduktion. Da der Wald durch Atmung und Zersetzung fast ebenso viel Sauerstoff wieder verbraucht, ist der tatsächliche Nettobeitrag gering. Die Klimaleistung liegt vor allem im Kohlenstoff und Wasserhaushalt.

Wie hilft der Regenwald gegen den Klimawandel?

Er bindet große Mengen Kohlenstoff in seiner Biomasse und hält ihn der Atmosphäre fern. Solange der Wald steht, wirkt er als Speicher, wird er zerstört, wird dieser Kohlenstoff freigesetzt.

Was sind fliegende Flüsse?

Das sind gewaltige Mengen Wasserdampf, die über dem Regenwald verdunsten und mit dem Wind über weite Strecken transportiert werden. Sie versorgen ferne Regionen mit Niederschlag.

Was passiert am Kipppunkt des Amazonas?

Wird zu viel Wald gerodet, könnte der selbst erzeugte Regen nicht mehr ausreichen. Teile des Waldes würden austrocknen und sich in Savanne verwandeln, was kaum umkehrbar wäre und viel Kohlenstoff freisetzen würde.

Wie stark der Wald bereits unter Druck steht, zeigt die Seite zur Bedrohung des Regenwaldes. Welche Maßnahmen helfen, erläutert der Überblick zum Schutz.