Der Wickelbär (Potos flavus) ist ein kleines, nachtaktives Säugetier der Regenwälder Mittel- und Südamerikas. Mit seinem Greifschwanz turnt er durch die Baumkronen und nascht Früchte und Nektar. Trotz des Namens ist er kein Bär, sondern ein Kleinbär – verwandt mit dem Waschbären.
Mit seinem goldbraunen Fell, den großen Kulleraugen und dem langen Greifschwanz sieht der Wickelbär zum Verwechseln niedlich aus. Der geschickte Kletterer verbringt fast sein ganzes Leben hoch oben im Kronendach der amerikanischen Regenwälder und kommt nur selten auf den Boden. Wegen seiner Vorliebe für süße Kost nennt man ihn in manchen Regionen auch „Honigbär“.
| Verbreitung | Regenwälder von Mexiko bis Brasilien |
|---|---|
| Körperlänge | etwa 40–60 cm, dazu ein ebenso langer Greifschwanz |
| Gewicht | etwa 1,5–3 kg |
| Nahrung | vor allem Früchte und Nektar, dazu Insekten |
| Lebensweise | nachtaktiv, lebt im Kronendach |
| IUCN-Status | nicht gefährdet (Least Concern) |
Ist der Wickelbär ein Bär oder ein Affe?
Weder noch. Obwohl er sich mit dem Greifschwanz wie ein Affe durch die Bäume hangelt und wie ein kleiner Bär aussieht, gehört der Wickelbär zu den Kleinbären – zusammen mit dem Waschbären und dem Nasenbären. Sein greiffähiger Schwanz ist eine Besonderheit: Unter den Raubtieren der Neuen Welt können nur wenige ihren Schwanz als „fünfte Hand“ einsetzen. Damit hält er sich beim Fressen fest, während er mit den Pfoten nach Früchten greift.
Wie lebt der Wickelbär im Regenwald?
Der Wickelbär ist ein Meister des nächtlichen Kronendachs. Nach Sonnenuntergang zieht er allein oder in kleinen Gruppen los, um reife Früchte und Blütennektar zu suchen. Seine Fußsohlen kann er weit drehen, sodass er sogar kopfüber an Ästen entlanglaufen kann. Tagsüber schläft er in Baumhöhlen oder dichtem Blattwerk. Seine großen Augen und der feine Geruchssinn helfen ihm, sich in völliger Dunkelheit zurechtzufinden.
Welche Rolle spielt er im Ökosystem?
Beim Naschen an Blüten trägt der Wickelbär Pollen von Baum zu Baum und bestäubt so einige Regenwaldpflanzen – eine seltene Rolle für ein Raubtier. Mit seiner langen Zunge leckt er tief in die Blüten hinein. Zugleich verbreitet er als Fruchtfresser die Samen vieler Bäume. Damit ist der kleine Kletterer, ähnlich wie Flughunde und Kolibris, ein wichtiger Helfer bei der Verjüngung des Waldes.
Wusstest du das über den Wickelbär?
Der Wickelbär kann seinen Kopf fast um 180 Grad drehen und mit seiner überraschend langen Zunge Nektar und Honig aus schwer erreichbaren Verstecken lecken. Seine nächtlichen Rufe – ein durchdringendes Kreischen und Zwitschern – hört man im Regenwald oft, bevor man das scheue Tier überhaupt zu Gesicht bekommt.
Ist der Wickelbär mit dem Faultier verwandt?
Nein. Obwohl beide in den Baumkronen leben, gehört der Wickelbär zu den Kleinbären (verwandt mit dem Waschbären), das Faultier dagegen zu den Nebengelenktieren.
Kann man Wickelbären als Haustiere halten?
Davon ist abzuraten. Es sind nachtaktive Wildtiere mit besonderen Ansprüchen; in Gefangenschaft leiden sie oft. In vielen Ländern ist die Haltung zudem geschützt oder verboten.
Warum heißt er „Honigbär“?
Wegen seiner Vorliebe für Süßes: Er nascht gern Nektar und süße Früchte und plündert gelegentlich Bienenstöcke – daher der Spitzname.
Ist der Wickelbär gefährdet?
Insgesamt gilt er als nicht gefährdet. Örtlich setzen ihm jedoch die Rodung der Wälder und der Fang für den Heimtierhandel zu.
Weitere nachtaktive Kronendach-Bewohner der Tropen zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Warum das Kronendach so artenreich ist, erklärt der Beitrag zu den Stockwerken des Regenwaldes.
