Der Rote Brüllaffe (Alouatta seniculus) gehört zu den lautesten Landtieren der Welt: Sein Gebrüll ist mehrere Kilometer weit zu hören. Er lebt im Kronendach südamerikanischer Regenwälder und ernährt sich vor allem von Blättern. Mit dem Greifschwanz hält er sich sicher fest. Die IUCN führt ihn als nicht gefährdet.
Wer im Amazonas-Regenwald morgens ein tiefes, dröhnendes Grollen hört, lauscht meist keinem Raubtier, sondern einem Brüllaffen. Diese Neuweltaffen tragen ihren Namen zu Recht: Ihr Ruf zählt zu den lautesten Lautäußerungen aller Landtiere. Rote Brüllaffen leben in kleinen Gruppen hoch in den Baumkronen und bewegen sich dank ihres kräftigen Greifschwanzes sicher durch das Geäst.
| Verbreitung | Nördliches und zentrales Südamerika: Amazonasbecken, Orinoco-Region, Anden-Ausläufer |
|---|---|
| Körperlänge | 45–72 cm Körper, zusätzlich etwa gleich langer Greifschwanz |
| Gewicht | 4–9 kg (Männchen schwerer als Weibchen) |
| Nahrung | Überwiegend Blätter (Folivore); dazu Früchte, Blüten und Knospen |
| Lebensraum | Kronendach tropischer Regen- und Feuchtwälder |
| IUCN-Status | nicht gefährdet (Least Concern) |
Warum sind Brüllaffen so laut?
Das laute Gebrüll ist möglich durch einen stark vergrößerten Zungenbeinknochen im Kehlbereich, der wie ein Resonanzkörper wirkt und den Ruf enorm verstärkt. So können Männchen ein Dröhnen erzeugen, das je nach Wald bis zu drei bis fünf Kilometer weit trägt. Meist ertönt der Chor im Morgengrauen. Er dient dazu, das Revier zu markieren und benachbarten Gruppen die eigene Position mitzuteilen – ganz ohne dass sich die Tiere begegnen und kämpfen müssen.
Wovon ernährt sich der Brüllaffe?
Brüllaffen sind unter den Neuweltaffen die ausgeprägtesten Blattfresser. Blätter liefern zwar viel Masse, aber wenig Energie und sind schwer verdaulich. Deshalb haben Brüllaffen einen langen Verdauungstrakt und verbringen einen großen Teil des Tages ruhend, um die zähe Kost zu verarbeiten. Ergänzend fressen sie energiereiche Früchte und Blüten, wann immer diese verfügbar sind.
Wozu dient der Greifschwanz?
Der muskulöse Greifschwanz ist eine Art fünfte Hand. An seiner Unterseite trägt er ein nacktes, griffiges Feld, mit dem der Affe Äste sicher umfasst. So kann er sich kopfüber hängend an Früchte heranarbeiten oder eine zusätzliche Halterung nutzen, während er mit den Händen frisst. Für das Leben im hohen Kronendach ist dieser Schwanz überlebenswichtig.
Wusstest du das über Brüllaffen?
Rote Brüllaffen gehören zu den wenigen Säugetieren, bei denen ein Teil der Tiere dreifarbig sehen kann wie der Mensch – bei anderen Neuweltaffen ist das seltener. Trotz ihres imposanten Rufs sind sie eher gemütliche Zeitgenossen: Sie ruhen oft mehr als die Hälfte des Tages, um Energie zu sparen.
Sind Brüllaffen gefährlich für Menschen?
Nein. Trotz ihres lauten Rufes sind Brüllaffen scheue Pflanzenfresser, die den Kontakt zum Menschen meiden und in den Baumkronen bleiben.
Wie viele Brüllaffen leben in einer Gruppe?
Typisch sind Gruppen von etwa vier bis zehn Tieren mit einem oder wenigen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs.
Warum brüllen die Affen meist morgens?
In der kühlen Morgenluft trägt der Schall besonders weit. Der Morgenchor klärt zwischen den Gruppen, wer welches Revier beansprucht, bevor die Nahrungssuche beginnt.
Sind alle Brüllaffenarten ungefährdet?
Der Rote Brüllaffe gilt als nicht gefährdet, doch einige andere Brüllaffenarten sind durch Lebensraumverlust und Jagd bedroht.
Weitere Affen und Säugetiere der Tropen zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Wo Brüllaffen zu Hause sind, beschreibt der Beitrag zum Amazonas-Regenwald.
