Der Rote Piranha (Pygocentrus nattereri) ist ein Schwarmfisch der südamerikanischen Flüsse mit kräftigen Kiefern und rasiermesserscharfen Zähnen. Anders als sein Ruf ist er meist Allesfresser und Aasverwerter. Er wird rund 15 bis 30 Zentimeter groß. Der Schwarm dient vor allem dem Schutz vor Feinden.
Kaum ein Fisch hat einen so furchteinflößenden Ruf wie der Piranha. Filme zeichnen ihn als blutrünstiges Raubtier, das in Sekunden ein ganzes Tier skelettiert. Die Wirklichkeit im Amazonas ist weit weniger dramatisch: Der Rote Piranha ist ein anpassungsfähiger Allesfresser, der weit häufiger frisst, was der Fluss ihm bietet, als aktiv zu jagen.
| Verbreitung | Amazonas-, Orinoco- und Paraná-Flusssysteme in Südamerika |
|---|---|
| Größe | 15–30 cm, selten größer |
| Nahrung | Allesfresser: Fische, Insekten, Krebse, Früchte, Samen, Aas |
| Lebensraum | langsam fließende Flüsse, Seen und überflutete Wälder |
| Gebiss | eine Reihe dreieckiger, ineinandergreifender Zähne pro Kiefer |
| IUCN-Status | nicht gefährdet (Least Concern) |
Sind Piranhas wirklich so gefährlich?
Der Ruf des Piranhas ist stark übertrieben. Angriffe auf gesunde, sich bewegende Menschen sind sehr selten. Die meisten Bisse ereignen sich, wenn Fische in der Trockenzeit in schrumpfenden Tümpeln zusammengedrängt und hungrig sind, oder wenn Menschen versehentlich auf einen Fisch treten. Der berüchtigte „Fressrausch“, bei dem ein ganzes Tier in Minuten verschwindet, tritt fast nur bei extremer Nahrungsknappheit auf und ist kein normales Verhalten.
Warum haben Piranhas so scharfe Zähne?
Piranhas besitzen kräftige Kiefermuskeln und dreieckige, messerscharfe Zähne, die wie die Zacken einer Schere ineinandergreifen. Diese Ausrüstung erlaubt es ihnen, präzise Stücke aus Beute oder Aas herauszubeißen und harte Schalen oder Samen zu knacken. Interessanterweise wechseln Piranhas ihre Zähne oft im gesamten Viertel eines Kiefers gleichzeitig, sodass immer eine funktionsfähige Schneide bereitsteht.
Warum leben Piranhas im Schwarm?
Große Schwärme entstehen bei Piranhas nicht in erster Linie zum gemeinsamen Jagen, sondern zum Schutz. Im Schwarm ist der einzelne Fisch für Fressfeinde wie Kaimane, große Fische, Flussdelfine und Vögel schwerer zu greifen. Gemeinsam sind die Tiere zudem wachsamer. Erst wenn Nahrung knapp wird, kann der Schwarm auch bei der Nahrungssuche von Vorteil sein.
Wusstest du das über Piranhas?
Piranhas können „bellen“: Bei Aufregung oder Bedrohung erzeugen sie mit ihrer Schwimmblase deutlich hörbare, trommelnde Laute. Und viele Piranha-Arten sind sogar überwiegend Pflanzenfresser – manche ernähren sich fast ausschließlich von Früchten und Samen, die ins Wasser fallen, und helfen so bei deren Verbreitung im überfluteten Wald.
Fressen Piranhas Menschen?
In aller Regel nicht. Es gibt vereinzelt Bissverletzungen, aber tödliche Angriffe auf lebende, gesunde Menschen sind extrem selten und meist mit besonderen Umständen verbunden.
Wie viele Piranha-Arten gibt es?
Man kennt Dutzende Arten. Nicht alle sind Raubfische – viele ernähren sich vorwiegend pflanzlich oder von Aas.
Warum sind Piranhas wichtig für den Fluss?
Als Aasverwerter halten sie das Wasser sauber, indem sie tote Tiere beseitigen. Fruchtfressende Arten verbreiten zudem Samen im überschwemmten Wald.
Kann man in Piranha-Gewässern baden?
In vielen Amazonasflüssen baden Einheimische bedenkenlos. Vorsicht ist vor allem in der Trockenzeit und bei offenen Wunden geboten.
Weitere Wassertiere des Regenwaldes zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Wie das Leben im überfluteten Wald funktioniert, beschreibt der Beitrag zum Amazonas-Regenwald.
