Der Brillenbär (Tremarctos ornatus) ist der einzige Bär Südamerikas und lebt in den Bergnebelwäldern der Anden. Seine hellen Ringe um die Augen erinnern an eine Brille. Er ist ein guter Kletterer und ernährt sich überwiegend pflanzlich. Die IUCN führt ihn als gefährdet.
In den nebelverhangenen Bergwäldern der Anden lebt ein Bär, den kaum jemand zu Gesicht bekommt: der Brillenbär. Als einziger Bär des gesamten südamerikanischen Kontinents ist er etwas Besonderes – scheu, überwiegend pflanzenfressend und eng an die feuchten Höhenwälder gebunden.
| Verbreitung | Anden Südamerikas, von Venezuela bis Bolivien |
|---|---|
| Lebensraum | Bergnebelwälder und feuchte Hochlagen (Páramo) |
| Größe | Männchen bis etwa 130 kg, Weibchen deutlich leichter |
| Nahrung | überwiegend pflanzlich: Bromelien, Früchte, Rinde; selten Tiere |
| IUCN-Status | gefährdet (Vulnerable) |
Woher hat der Brillenbär seinen Namen?
Namensgebend sind die hellen, cremefarbenen Ringe und Streifen, die viele Brillenbären rund um die Augen tragen und die wie ein Brillengestell wirken. Diese Zeichnung ist bei jedem Tier anders und reicht manchmal bis über Brust und Hals. Forscher nutzen die individuellen Muster, um einzelne Bären auf Fotofallen wiederzuerkennen. Nicht jeder Brillenbär hat allerdings deutlich ausgeprägte „Brillen“.
Wie lebt der Brillenbär im Bergwald?
Der Brillenbär ist ein hervorragender Kletterer. Er steigt hoch in die Bäume, um an Früchte zu gelangen, und baut sich dort mitunter aus abgebrochenen Ästen regelrechte Plattformen zum Fressen und Ruhen. Anders als viele Bären ernährt er sich zum weitaus größten Teil pflanzlich – Bromelien, Früchte, Knospen und Rinde stehen auf seinem Speiseplan. Nur selten frisst er auch einmal Insekten oder kleine Tiere.
Warum ist der Brillenbär bedroht?
Die Bergwälder der Anden schrumpfen durch Rodung für Weiden und Felder, wodurch der Lebensraum des Brillenbären zerstückelt wird. Wo Bären in die Nähe von Siedlungen geraten und Mais oder Vieh anrühren, werden sie mancherorts verfolgt. Zudem wird er illegal bejagt. Weil er sich langsam vermehrt und große Reviere braucht, gilt der Brillenbär heute als gefährdet.
Wusstest du das über den Brillenbär?
Der Brillenbär ist der letzte lebende Vertreter einer einst viel größeren Bärengruppe, zu der auch riesige, längst ausgestorbene Kurzschnauzenbären gehörten. Und er hat es zu literarischem Ruhm gebracht: Die berühmte Kinderbuchfigur Paddington stammt der Erzählung nach aus dem „dunkelsten Peru“ – ihr Vorbild ist der Brillenbär.
Ist der Brillenbär wirklich der einzige Bär Südamerikas?
Ja. Alle anderen Bärenarten leben in Nordamerika, Europa oder Asien. Der Brillenbär ist der einzige in Südamerika.
Lebt der Brillenbär im Regenwald?
Vor allem in den feuchten Bergnebelwäldern der Anden, die zu den tropischen Wäldern zählen. Auch tiefere Regenwaldränder nutzt er.
Ist der Brillenbär gefährlich?
Nein. Er ist scheu und meidet den Menschen. Als überwiegender Pflanzenfresser stellt er keine Gefahr dar.
Was frisst der Brillenbär am liebsten?
Besonders gern Bromelien und reife Früchte. Für die Bromelien klettert er oft hoch in die Bäume.
Weitere Säugetiere zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Warum Bergnebelwälder so artenreich sind, beschreibt der Beitrag zum Regenwald in Peru.
