Der Große Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) ist ein zahnloses Säugetier mit langer Schnauze und bis zu 60 Zentimeter langer, klebriger Zunge. Er lebt in Savannen und Wäldern Mittel- und Südamerikas und frisst täglich zehntausende Ameisen und Termiten. Die IUCN führt ihn als gefährdet.
Der Große Ameisenbär gehört zu den skurrilsten Säugetieren der Neuen Welt. Mit seiner röhrenförmigen Schnauze, den kräftigen Grabklauen und dem großen, buschigen Schwanz, den er nachts wie eine Decke über sich legt, wirkt er wie ein urtümliches Fabelwesen. Tatsächlich zählt er zu den Nebengelenktieren – einer alten Säugetiergruppe, zu der auch Faultiere und Gürteltiere gehören.
| Verbreitung | Mittel- und Südamerika, von Honduras bis Nordargentinien |
|---|---|
| Körperlänge | 1,8–2,1 m einschließlich Schwanz |
| Gewicht | etwa 25–40 kg |
| Nahrung | Ameisen und Termiten, bis zu 30.000 Insekten pro Tag |
| Lebensraum | Feuchte Regenwälder, Savannen und Grasländer |
| IUCN-Status | gefährdet (Vulnerable) |
Wie frisst der Ameisenbär ohne Zähne?
Der Ameisenbär hat keine Zähne. Mit den mächtigen Klauen seiner Vorderpfoten reißt er Termitenhügel und Ameisennester auf und schnellt dann seine bis zu 60 Zentimeter lange, mit klebrigem Speichel überzogene Zunge bis zu 150-mal pro Minute hinein. Die Insekten werden im Ganzen verschluckt und im muskulösen Magen mit Hilfe von verschlucktem Sand zerrieben. Um die Nester nicht zu zerstören, frisst er an jedem nur kurz und zieht weiter – so bleibt seine Nahrungsquelle erhalten.
Wie bewegt sich der Ameisenbär fort?
Weil seine gewaltigen Grabklauen beim Laufen im Weg wären, tritt der Ameisenbär auf den umgeknickten Fingerknöcheln der Vorderpfoten – ein eigenartiger, wiegender Gang. Er ist überwiegend am Boden unterwegs, kann aber schwimmen und in der Jugend auch klettern. Seine Augen sind klein und schwach; dafür verlässt er sich fast vollständig auf seinen exzellenten Geruchssinn, der rund vierzigmal feiner ist als der des Menschen.
Warum ist der Große Ameisenbär bedroht?
Dem Ameisenbär setzen vor allem die Zerstörung seines Lebensraums, Buschbrände und der Straßenverkehr zu – als langsames Bodentier wird er häufig überfahren. In manchen Regionen wird er zudem gejagt. Weil Weibchen jeweils nur ein einziges Junges bekommen und dieses monatelang auf dem Rücken tragen, erholen sich die Bestände nur langsam. In mehreren Ländern Mittelamerikas ist die Art bereits verschwunden.
Wusstest du das über den Ameisenbär?
Trotz seines gemächlichen Auftretens ist der Ameisenbär wehrhaft: Fühlt er sich bedroht, richtet er sich auf, stützt sich auf Schwanz und Hinterbeine und schlägt mit den messerscharfen Klauen zu. Selbst Pumas und Jaguare gehen ihm deshalb meist aus dem Weg. Das Junge klammert sich so an den Rücken der Mutter, dass sein Fellmuster mit ihrem verschmilzt – eine perfekte Tarnung.
Ist der Ameisenbär mit dem Faultier verwandt?
Ja. Beide gehören zu den Nebengelenktieren, einer ursprünglichen südamerikanischen Säugetiergruppe. Auch die Gürteltiere zählen dazu.
Wie viele Insekten frisst ein Ameisenbär am Tag?
Bis zu etwa 30.000 Ameisen und Termiten. Da er jedes Nest nur anknabbert, verteilt er seine Mahlzeiten auf viele hundert kleine Besuche pro Tag.
Kann ein Ameisenbär einem Menschen gefährlich werden?
In die Enge getrieben kann er mit seinen Klauen ernste Verletzungen zufügen. Von sich aus ist er jedoch friedlich und meidet den Menschen.
Gibt es weitere Ameisenbär-Arten?
Ja. Neben dem Großen Ameisenbär gibt es kleinere, baumbewohnende Arten wie den Tamandua und den winzigen Zwergameisenbär, die ebenfalls im Regenwald leben.
Weitere ungewöhnliche Säugetiere der Tropen zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Wie der Nährstoffkreislauf funktioniert, den Insekten wie Ameisen und Termiten antreiben, erklärt der Beitrag Ökosystem und Nährstoffkreislauf.
