Der Amazonas-Flussdelfin (Inia geoffrensis), auch Boto oder Rosa Flussdelfin genannt, ist der größte Süßwasserdelfin der Welt. Er lebt in den trüben Flüssen des Amazonas- und Orinoco-Beckens und findet seine Beute per Echoortung. Ältere Tiere färben sich rosa. Die IUCN führt ihn als stark gefährdet.
Der Rosa Flussdelfin ist eines der ungewöhnlichsten Säugetiere des Regenwaldes. Statt im offenen Meer lebt er in Flüssen, überfluteten Wäldern und Seen des Amazonas. Sein rosiger Körper, der lange Schnabel und der bewegliche Hals machen ihn unverwechselbar. In den Mythen indigener Völker gilt der Boto als Verwandlungskünstler, der sich nachts in einen Menschen verwandeln kann.
| Verbreitung | Amazonas- und Orinoco-Flusssystem in Südamerika |
|---|---|
| Körperlänge | 2,0–2,5 m |
| Gewicht | bis zu etwa 185 kg |
| Nahrung | Fische, Krebse, Flussschildkröten; über 40 Fischarten nachgewiesen |
| Lebensraum | Trübe Flüsse, Seen und im Hochwasser überflutete Uferwälder |
| IUCN-Status | stark gefährdet (Endangered) |
Warum ist der Flussdelfin rosa?
Junge Botos sind zunächst grau. Mit dem Alter färben sich viele Tiere zunehmend rosa, wobei erwachsene Männchen besonders kräftig gefärbt sind. Ursache sind vermutlich die Durchblutung der Haut sowie Narben von Rangkämpfen unter Männchen: Je mehr Kämpfe ein Männchen ausgetragen hat, desto rosiger wirkt es oft. Bei Aufregung oder Anstrengung kann die Färbung sogar kurzzeitig intensiver werden.
Wie findet der Boto Beute im trüben Wasser?
Die Flüsse des Amazonas sind oft schlammig und dunkel. Sehen hilft dort wenig. Deshalb orientiert sich der Flussdelfin per Echoortung: Er stößt Klicklaute aus und wertet das Echo aus, das von Fischen, Wurzeln und dem Flussgrund zurückkommt. So erstellt er ein akustisches Bild seiner Umgebung. Sein besonders beweglicher, unverwachsener Halswirbel erlaubt es ihm zudem, den Kopf weit zu drehen und im überfluteten Wald zwischen Bäumen zu manövrieren.
Warum ist der Amazonas-Flussdelfin bedroht?
Der Boto leidet unter mehreren Gefahren zugleich. Staudämme zerschneiden die Flüsse und trennen Populationen, Fischerei-Beifang und die illegale Tötung als Köder fordern Opfer, und Quecksilber aus dem Goldbergbau reichert sich in der Nahrungskette an. Weil Flussdelfine sich langsam vermehren, wirken sich diese Verluste besonders stark aus. Die IUCN stuft die Art deshalb als stark gefährdet ein.
Wusstest du das über den Boto?
Männliche Flussdelfine tragen bei der Balz manchmal Zweige, Grasbüschel oder Steine im Maul und präsentieren sie den Weibchen – ein seltenes Beispiel für Werkzeug- oder Objektgebrauch bei Walen. Während der Hochwasserzeit schwimmen Botos kilometerweit in den überfluteten Regenwald hinein und jagen zwischen den Baumstämmen.
Ist der Boto mit den Meeresdelfinen verwandt?
Beide gehören zu den Zahnwalen, doch der Amazonas-Flussdelfin bildet eine eigene, urtümliche Familie der Süßwasserdelfine und ist an das Leben im Fluss angepasst.
Wie alt wird ein Amazonas-Flussdelfin?
In freier Wildbahn kann er mehrere Jahrzehnte alt werden, doch genaue Angaben sind schwierig, da die Tiere im trüben Wasser schwer zu beobachten sind.
Greift der Flussdelfin Menschen an?
Nein. Botos sind neugierig, aber ungefährlich. Angriffe auf Menschen sind nicht bekannt.
Wie viele Flussdelfine gibt es noch?
Genaue Zahlen fehlen, doch Untersuchungen zeigen in vielen Flussabschnitten sinkende Bestände, weshalb die Art als stark gefährdet gilt.
Weitere Wassertiere und Säuger der Tropen zeigt die Übersicht zur Tierwelt des Regenwaldes. Sein Lebensraum wird im Beitrag zum Amazonas-Regenwald ausführlich beschrieben.
