Der Valdivianische Regenwald im Süden Chiles ist einer der wenigen gemäßigten Regenwälder der Südhalbkugel. Hier wachsen uralte Alerce-Bäume, die über 3.000 Jahre alt werden, und es lebt der Pudú – der kleinste Hirsch der Welt.
An der Pazifikküste Südchiles, ungefähr auf der Höhe des 40. Breitengrads, liegt ein grünes, tropfnasses Dickicht: der Valdivianische Regenwald, benannt nach der Stadt Valdivia. Er reicht bis nach Argentinien hinüber und ist einer der ganz wenigen gemäßigten Regenwälder der südlichen Erdhalbkugel. Von der übrigen Welt durch Anden, Wüste und Ozean abgeschnitten, hat sich hier über Jahrmillionen eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt, die es nirgendwo sonst gibt.
| Lage | Süden Chiles (bis Argentinien), rund um Valdivia |
|---|---|
| Typ | gemäßigter Regenwald der Südhalbkugel |
| Besonderheit | hoher Anteil endemischer Arten – kommen nur hier vor |
| Typische Bäume | Alerce (Patagonische Zypresse, über 3.000 Jahre alt), Südbuchen, Bambus-Unterwuchs |
| Typische Tiere | Pudú, Kodkod (Wildkatze), Darwin-Frosch, Monito del Monte, Magellanspecht |
| Hauptbedrohung | Abholzung, Umwandlung in Eukalyptus- und Kiefernplantagen, Brände |
Warum wächst hier ein Regenwald?
Feuchte Winde vom Pazifik stauen sich an den Anden und regnen an der Küste ab – örtlich fallen mehrere Meter Niederschlag im Jahr. Die Temperaturen bleiben mild, weil der Ozean das Klima ausgleicht. Es ist also, wie beim Olympic-Regenwald in den USA, kein tropischer, sondern ein kühl-gemäßigter Regenwald.
Was macht die Pflanzenwelt so einzigartig?
Der Star des Waldes ist der Alerce, eine Zypressenart, die über 45 Meter hoch und mehr als 3.000 Jahre alt wird – nach den kalifornischen Mammutbäumen einer der ältesten Bäume der Erde. Dazwischen wachsen immergrüne Südbuchen und ein dichter Unterwuchs aus Bambus und Baumfarnen. Viele dieser Arten sind lebende Fossilien und mit Pflanzen in Neuseeland und Australien verwandt – ein Erbe des Urkontinents Gondwana.
Welche Tiere leben im Valdivianischen Regenwald?
Durch das Dickicht trippelt der Pudú, ein nur kniehoher Hirsch. Die scheue Wildkatze Kodkod jagt in der Dämmerung, der winzige Darwin-Frosch tarnt sich als welkes Blatt, und das Monito del Monte – ein kleines Beuteltier – gilt als lebendes Bindeglied zu den Beuteltieren Australiens. Über allem hämmert der große Magellanspecht. Fast alle diese Tiere sind endemisch, kommen also nur in dieser Region vor.
Ist der Valdivianische Regenwald bedroht?
Große Flächen des ursprünglichen Waldes wurden gerodet und durch schnellwüchsige Eukalyptus- und Kiefernplantagen ersetzt, dazu kommen Brände und Straßenbau. Weil viele Arten nur hier leben, hätte ihr Verschwinden hier auch weltweit Folgen. Nationalparks und private Schutzgebiete sollen die letzten Alerce-Wälder bewahren. Warum Regenwälder rund um den Globus schwinden, erklärt der Bereich Bedrohung des Regenwaldes.
Wie alt werden die Alerce-Bäume wirklich?
Der älteste bekannte Alerce ist über 3.600 Jahre alt. Damit gehört die Art zu den langlebigsten Bäumen der Welt.
Was ist ein endemisches Tier?
Ein endemisches Tier lebt nur in einem einzigen Gebiet der Erde und sonst nirgends. Im Valdivianischen Regenwald ist ein besonders großer Teil der Arten endemisch.
Gibt es auf der Südhalbkugel noch andere gemäßigte Regenwälder?
Ja, etwa in Fiordland in Neuseeland und in Tasmanien. Sie alle teilen sich Pflanzenfamilien aus der Zeit des Urkontinents Gondwana.
Weitere gemäßigte Regenwälder sind der Great-Bear-Regenwald in Kanada und der Tongass in Alaska. Alle Regenwaldgebiete zeigt die Übersicht Länder & Regionen.
