Im äußersten Osten Russlands liegt die Ussuri-Taiga – ein gemäßigter Regenwald, in dem sibirische Taiga auf mandschurischen Urwald trifft. Hier lebt der Amur-Tiger, die größte Katze der Erde.
Dass es in Russland Regenwald gibt, wissen selbst viele Russen nicht. Doch im Fernen Osten des Landes, rund um den Ussuri-Fluss und das Sichote-Alin-Gebirge, wächst einer der ungewöhnlichsten Wälder der Welt. Weil das Gebiet in der letzten Eiszeit nicht von Gletschern bedeckt war, überlebten hier Arten aus dem kalten Norden neben Arten aus den warmen Subtropen. So mischen sich Fichten und Lärchen mit wildem Wein und Lianen – und mittendrin streift der Amur-Tiger durch den Schnee. Trocken ist dieser Wald nicht: Im Sommer sorgt der Monsun für schwüle, regenreiche Monate.
| Lage | Russischer Ferner Osten (Primorje & Chabarowsk), Sichote-Alin-Gebirge |
|---|---|
| Typ | gemäßigter Regenwald – Übergang von borealer Taiga zu mandschurischem Urwald |
| Besonderheit | eiszeitliches Rückzugsgebiet mit außergewöhnlicher Artenvielfalt |
| Typische Bäume | Koreakiefer, Mandschurische Esche, Amur-Korkbaum, dazu Lianen und Wildreben |
| Typische Tiere | Amur-Tiger, Amur-Leopard, Kragenbär, Fischuhu, Mandarinente |
| Hauptbedrohung | Holzeinschlag der Koreakiefer, Wilderei, Waldbrände |
Warum ist die Ussuri-Taiga ein Regenwald?
Im Sommer weht der ostasiatische Monsun feuchte Meeresluft heran und bringt kräftige Regenfälle – die Wälder sind dann schwül und tropfnass. Im Winter dagegen wird es eisig kalt. Diese Mischung aus feuchten Sommern und strengen Wintern macht die Ussuri-Taiga zu einem gemäßigten Regenwald besonderer Art, ganz anders als der immergrüne Valdivianische Regenwald in Chile.
Warum lebt hier der Amur-Tiger?
Der Amur-Tiger, auch Sibirischer Tiger genannt, ist die größte Katze der Welt und einer der wenigen Tiger, die mit Schnee und Frost zurechtkommen. Sein dichtes Fell und die dicke Fettschicht schützen ihn vor der Kälte. Er braucht riesige, ungestörte Wälder mit vielen Wildschweinen und Hirschen. Genau die bietet ihm die Ussuri-Taiga – hier leben heute wieder mehrere Hundert dieser seltenen Großkatzen. Noch seltener ist der Amur-Leopard, von dem nur noch rund 100 Tiere existieren.
Was wächst in diesem Wald?
Prägend ist die mächtige Koreakiefer, deren nährstoffreiche Samen zahllose Tiere ernähren. Dazwischen stehen Mandschurische Eschen, Ahorne und der Amur-Korkbaum. Das Besondere: Um die Stämme ranken sich Lianen und wilde Weinreben, wie man sie sonst aus den Tropen kennt. Dieser Mix aus nordischem Nadelwald und subtropischem Rankendickicht macht die Ussuri-Taiga weltweit einzigartig.
Ist der Wald bedroht?
Die wertvolle Koreakiefer wurde lange stark eingeschlagen, dazu kommen Wilderei auf Tiger und Leopard sowie Waldbrände. Russische und internationale Naturschützer haben deshalb große Schutzgebiete eingerichtet und den Einschlag der Koreakiefer eingeschränkt – mit Erfolg: Der Tigerbestand hat sich langsam erholt. Wie Menschen weltweit Wälder und ihre Tiere bewahren, zeigt der Bereich Regenwaldschutz.
Ist die Ussuri-Taiga wirklich ein Regenwald?
Sie ist ein gemäßigter Regenwald mit feuchten, regenreichen Sommern. Anders als tropische Regenwälder hat sie einen kalten, schneereichen Winter – deshalb zählt sie zu den „kalten“ Regenwäldern.
Wie viele Amur-Tiger gibt es noch?
Nach starkem Rückgang leben heute wieder mehrere Hundert Amur-Tiger in freier Wildbahn, fast alle in der Ussuri-Taiga. Damit ist der Bestand langsam gewachsen, bleibt aber gefährdet.
Gibt es in Russland noch andere Regenwälder?
Ja, an der Schwarzmeerküste des Kaukasus liegen die feuchten Kolchis-Wälder – uralte, sehr regenreiche Laubwälder, die ebenfalls zu den gemäßigten Regenwäldern zählen.
Weitere kühle Regenwälder sind der Tongass in Alaska und der skandinavische Küstenregenwald in Norwegen. Alle Regenwaldgebiete der Erde zeigt die Übersicht Länder & Regionen.
