Der Great-Bear-Regenwald an der Westküste Kanadas ist der größte unberührte gemäßigte Küstenregenwald der Erde. Berühmt ist er für den weißen Geisterbären – eine seltene Schwarzbär-Variante, die nur hier lebt.
An der zerklüfteten Pazifikküste der kanadischen Provinz British Columbia erstreckt sich über rund 6,4 Millionen Hektar der Great Bear Rainforest – der „Große-Bären-Regenwald“. Nebelverhangene Fjorde, uralte Zedern und klare Lachsflüsse prägen eine der wildesten Landschaften Nordamerikas. Seit 2016 sind große Teile des Waldes vor Holzeinschlag geschützt – ein wegweisendes Abkommen, das gemeinsam mit den indigenen First Nations ausgehandelt wurde.
| Lage | Pazifikküste von British Columbia, Kanada |
|---|---|
| Typ | gemäßigter Küstenregenwald – der größte intakte seiner Art |
| Größe | rund 6,4 Millionen Hektar (etwa doppelt so groß wie Belgien) |
| Besonderheit | Heimat des weißen Geisterbären (Kermodebär) |
| Typische Tiere | Geisterbär, Grizzly, Küstenwolf, Weißkopfseeadler, Lachs |
| Typische Bäume | Riesen-Lebensbaum (Rotzeder), Sitka-Fichte, Hemlocktanne – bis über 1.000 Jahre alt |
Was ist der Geisterbär?
Das Wahrzeichen des Waldes ist der Kermodebär, auch „Spirit Bear“ genannt. Es ist kein Eisbär und kein Albino, sondern ein Schwarzbär mit cremeweißem Fell – verursacht durch ein seltenes Erbmerkmal. Nur etwa jeder zehnte Schwarzbär dieser Region trägt es. Für die indigenen Völker ist der weiße Bär heilig. Weil er fast ausschließlich hier vorkommt, ist der Great-Bear-Regenwald weltweit einzigartig.
Warum ist dieser Regenwald so besonders?
Der Great Bear zählt zu den letzten großen zusammenhängenden Küstenregenwäldern der Erde. Wie im benachbarten Tongass in Alaska verbinden sich hier Wald, Fluss und Meer: Lachse wandern flussaufwärts, Bären und Wölfe tragen sie in den Wald, und ihre Nährstoffe düngen die riesigen Zedern. Manche dieser Bäume standen schon, als in Europa das Mittelalter begann.
Welche Tiere leben im Great-Bear-Regenwald?
Neben dem Geisterbären leben hier Grizzlybären und die berühmten Küstenwölfe, die schwimmend zwischen den Inseln jagen und sich zu einem großen Teil von Meerestieren ernähren. Weißkopfseeadler sitzen zu Dutzenden an den Lachsflüssen, und vor der Küste ziehen Orcas und Buckelwale vorbei. Diese Nähe von Urwald und Meer macht die Region so außergewöhnlich.
Wie wird der Wald geschützt?
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen einigten sich Regierung, Holzindustrie, Umweltverbände und First Nations 2016 darauf, rund 85 Prozent des Waldes dauerhaft vom Holzeinschlag auszunehmen. Die indigenen Völker verwalten ihr Land heute weitgehend selbst. Der Great-Bear-Regenwald gilt seither als Vorbild dafür, wie sich Naturschutz und die Rechte indigener Gemeinschaften verbinden lassen – mehr dazu im Bereich Regenwaldschutz.
Ist der Geisterbär ein Eisbär?
Nein. Er ist ein Schwarzbär mit weißem Fell. Ein seltenes Erbmerkmal sorgt für die helle Farbe – Eisbären leben in der Arktis und sind mit ihm nicht verwandt.
Warum ist es hier so nass?
Feuchte Pazifikluft regnet an den Küstenbergen ab. Der viele Regen und die milden Temperaturen lassen einen kühlen, gemäßigten Regenwald entstehen.
Darf man den Wald besuchen?
Ja, meist auf geführten Touren gemeinsam mit den First Nations. So bleibt der empfindliche Lebensraum der Bären geschützt.
Weitere gemäßigte Regenwälder sind der Olympic-Regenwald in den USA und der Fiordland-Regenwald in Neuseeland. Alle Regenwaldgebiete zeigt die Übersicht Länder & Regionen.
