Würgefeige (Ficus)

Würgefeige (Ficus)

Die Würgefeige (Gattung Ficus) beginnt ihr Leben hoch oben auf einem anderen Baum und wächst mit Luftwurzeln nach unten. Nach und nach umschließt sie ihren Wirtsbaum, der schließlich abstirbt. Zurück bleibt ein hohler Wurzelmantel. Ihre Feigen sind eine ganzjährige Nahrungsquelle für unzählige Regenwaldtiere.

Die Würgefeige (Gattung Ficus) beginnt ihr Leben hoch oben auf einem anderen Baum und wächst mit Luftwurzeln nach unten. Nach und nach umschließt sie ihren Wirtsbaum, der schließlich abstirbt. Zurück bleibt ein hohler Wurzelmantel. Ihre Feigen sind eine ganzjährige Nahrungsquelle für unzählige Regenwaldtiere.

Die Würgefeige ist keine einzelne Art, sondern eine Wuchsform, die viele hundert tropische Feigenarten teilen. Ihr Lebensweg gehört zu den dramatischsten des Pflanzenreichs: Sie wächst nicht von unten nach oben wie andere Bäume, sondern genau umgekehrt – und verdrängt dabei ihren eigenen Wirt.

FamilieMaulbeergewächse (Moraceae), Gattung Ficus
Wuchsformzunächst Aufsitzerpflanze (Epiphyt), später eigenständiger Baum
Verbreitungtropische Regenwälder weltweit (Amerika, Afrika, Asien, Ozeanien)
BedeutungSchlüsselart: ganzjährige Feigen für Vögel, Affen, Fledermäuse und Insekten
Besonderheitbestäubt ausschließlich von hochspezialisierten Feigenwespen

Wie „würgt“ die Würgefeige ihren Wirtsbaum?

Ein Vogel oder eine Fledermaus scheidet einen Feigensamen hoch oben in einer Astgabel aus. Dort keimt er zunächst als harmloser Aufsitzer. Die junge Feige bildet lange Luftwurzeln, die am Stamm des Wirtsbaumes hinab zum Boden wachsen. Sobald sie die Erde erreichen, wachsen sie kräftig, verholzen und bilden ein immer dichteres Netz um den Wirt. Dieses Gitter schnürt den Stamm ein und nimmt der Krone das Licht, bis der ursprüngliche Baum schließlich abstirbt und verrottet. Übrig bleibt eine oft hohle, röhrenförmige Feige, die frei im Wald steht.

Warum ist die Würgefeige eine Schlüsselart?

Feigenbäume tragen zu unterschiedlichen Zeiten Früchte – oft auch dann, wenn sonst kaum etwas reif ist. Damit sind Feigen eine verlässliche Nahrung, wenn andere Quellen versiegen. Vögel, Affen, Fledermäuse und Insekten hängen in mageren Zeiten von ihnen ab. Fällt eine Würgefeige aus, geraten ganze Nahrungsnetze ins Wanken. Ökologen bezeichnen die Feigen deshalb als Schlüsselart des Regenwaldes.

Was hat die Feige mit einer Wespe zu tun?

Jede Feigenart lebt in enger Partnerschaft mit einer eigenen, winzigen Feigenwespe. Nur diese Wespe kann in die geschlossene Feige eindringen, sie bestäuben und dort ihre Eier ablegen. Im Gegenzug bietet die Feige der Wespe Schutz und Nahrung für die Larven. Keiner der beiden Partner kann ohne den anderen überleben – ein Musterbeispiel für die enge Verzahnung des Lebens im Regenwald.

Wusstest du das über die Würgefeige?

Manche Würgefeigen erreichen ein gewaltiges Alter und einen enormen Umfang; ihr Wurzelgeflecht kann eine ganze Lichtung überspannen. Die hohlen Stämme abgestorbener Wirtsbäume werden zu Verstecken und Nistplätzen für zahllose Tiere – vom Fledermausschwarm bis zur Schlange.

Tötet die Würgefeige jeden Wirtsbaum?

Häufig ja, aber nicht immer. Manche Wirte überleben lange, bevor sie unterliegen. Entscheidend sind Standort, Lichtverhältnisse und wie kräftig die Feige wächst.

Sind die Feigen der Würgefeige essbar?

Viele sind für Tiere essbar und ökologisch enorm wichtig. Für Menschen sind sie meist klein und wenig schmackhaft; die Speisefeige ist eine verwandte, aber andere Art.

Ist die Würgefeige ein Schmarotzer?

Nicht im engen Sinn. Sie entzieht dem Wirt keine Nährstoffe, sondern erdrückt ihn räumlich und nimmt ihm Licht. Fachlich spricht man von einem Raumkonkurrenten.

Wo wachsen Würgefeigen?

In tropischen Regenwäldern rund um den Globus – von Amerika über Afrika bis Südostasien und Australien.

Weitere ungewöhnliche Gewächse zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Wie Aufsitzerpflanzen die verschiedenen Schichten des Waldes nutzen, erklärt der Beitrag zu den Stockwerken des Regenwaldes.