Die Riesenseerose (Victoria amazonica) ist die größte Seerose der Welt. Ihre runden Schwimmblätter werden bis zu drei Meter breit und tragen ein Gewicht wie ein Kleinkind. Ihre Blüten öffnen sich nur zwei Nächte lang und wechseln dabei die Farbe. Sie wächst in den ruhigen Gewässern des Amazonas.
Wenige Pflanzen des Regenwaldes sind so spektakulär wie die Riesenseerose. Auf den stillen Seitenarmen und Überschwemmungsseen des Amazonas breitet sie tellergroße bis mannshohe, kreisrunde Blätter aus, deren nach oben gebogener Rand ihnen das Aussehen riesiger grüner Backformen gibt. Die Unterseite und die Blattstiele sind mit kräftigen Stacheln bewehrt – ein Schutz gegen hungrige Fische und Wassertiere.
| Verbreitung | Ruhige Gewässer im Amazonasbecken (Südamerika) |
|---|---|
| Familie | Seerosengewächse (Nymphaeaceae) |
| Blattgröße | bis etwa 3 m Durchmesser |
| Tragkraft | ein gut verteiltes Gewicht von mehreren Kilogramm |
| Blüte | bis 30 cm groß, öffnet sich nur zwei Nächte lang |
| Besonderheit | größte Seerose der Welt |
Wie viel Gewicht trägt ein Blatt der Riesenseerose?
Die riesigen Blätter werden von einem Netz kräftiger, luftgefüllter Rippen an der Unterseite gestützt – eine natürliche Konstruktion, die den Architekten des 19. Jahrhunderts als Vorbild für Glaspaläste diente. Auf gut verteiltem Untergrund kann ein einziges Blatt mehrere Kilogramm tragen, ohne unterzugehen; auf Fotos sieht man mitunter ein sitzendes Kind darauf. Kleine Löcher im Blatt lassen Regen- und Überschwemmungswasser abfließen, damit es nicht versinkt.
Warum wechselt die Blüte ihre Farbe?
Die Blüte der Riesenseerose lebt nur zwei Nächte – und inszeniert dabei ein raffiniertes Bestäubungsschauspiel. In der ersten Nacht öffnet sie sich weiß, duftet intensiv und erwärmt sich sogar. Angelockte Käfer krabbeln hinein und werden über Tag eingeschlossen. In der zweiten Nacht öffnet sich die nun rosa bis purpurn gefärbte Blüte wieder und entlässt die mit Pollen bestäubten Käfer, die zur nächsten weißen Blüte fliegen. So sichert die Pflanze die Fremdbestäubung.
Welche Rolle spielt sie im Amazonas?
Die dichten Blätterteppiche der Riesenseerose bieten Fischen, Insekten und Vögeln Schutz und Nahrung. In der Regenzeit, wenn der Amazonas weite Wälder überflutet, breitet sich die Pflanze rasch aus; in der Trockenzeit ziehen sich die Bestände zurück. Indigene Völker nutzen ihre stärkehaltigen Samen als Nahrung und nennen die Pflanze poetisch „Mais des Wassers“. Als Symbol des Amazonas ist sie ein Publikumsmagnet in botanischen Gärten weltweit.
Wusstest du das über die Riesenseerose?
Ihren wissenschaftlichen Namen erhielt die Pflanze zu Ehren der britischen Königin Victoria. Die filigrane Rippenstruktur ihrer Blattunterseite inspirierte den Gärtner Joseph Paxton beim Bau des berühmten Crystal Palace von 1851 – ein frühes Beispiel für Bionik, das Lernen von der Natur.
Kann ein Mensch auf einem Blatt stehen?
Ein Kind oder eine leichte Person kann auf einem gesunden Blatt kurz Platz nehmen, wenn das Gewicht mit einer Unterlage gut verteilt wird. Punktueller Druck durchsticht das Blatt jedoch.
Wie lange lebt eine Blüte?
Nur etwa zwei Nächte. In dieser kurzen Zeit vollzieht sich der gesamte Bestäubungsvorgang mit dem Farbwechsel von Weiß zu Rosa-Purpur.
Warum sind Blätter und Stiele bestachelt?
Die Stacheln schützen die nahrhafte Pflanze vor Fischen und anderen Pflanzenfressern im Wasser.
Gibt es die Riesenseerose auch in Europa?
In freier Natur nein. In beheizten Wasserbecken botanischer Gärten wird sie aber vielerorts kultiviert und blüht dort im Sommer.
Weitere Wasser- und Sumpfpflanzen der Tropen zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Ihren Lebensraum beschreibt der Beitrag zum Amazonas-Regenwald.
