Der Titanwurz (Amorphophallus titanum) bildet den größten unverzweigten Blütenstand der Welt – bis zu drei Meter hoch. Er stammt aus den Regenwäldern Sumatras, blüht nur selten und verströmt dann einen intensiven Aasgeruch, um Bestäuber anzulocken. Man nennt ihn deshalb auch Leichenblume.
Wenn der Titanwurz blüht, ist das ein botanisches Großereignis, für das Menschen Schlange stehen. Aus einer riesigen unterirdischen Knolle schiebt sich ein bis zu drei Meter hoher Blütenstand empor: ein gefaltetes, außen grünes, innen weinrotes Hüllblatt (Spatha) umgibt einen gelblichen Kolben (Spadix). Dieser Gigant der Pflanzenwelt kommt nur in den Regenwäldern der indonesischen Insel Sumatra wild vor und ist dort selten geworden.
| Verbreitung | Regenwälder von Sumatra (Indonesien), endemisch |
|---|---|
| Familie | Aronstabgewächse (Araceae) |
| Höhe | Blütenstand bis etwa 3 m |
| Knolle | bis über 50 kg schwer |
| Blüte | öffnet sich nur etwa 24–48 Stunden, alle paar Jahre |
| Besonderheit | größter unverzweigter Blütenstand der Welt |
Warum riecht der Titanwurz nach Aas?
Zur Blüte erhitzt sich der Kolben fast auf Körpertemperatur und verströmt einen durchdringenden Gestank nach verwesendem Fleisch. Dieser Geruch, verstärkt durch die fleischrote Farbe des Hüllblatts, täuscht Aaskäfer und Fleischfliegen: Sie glauben, einen Kadaver für ihre Eiablage gefunden zu haben, krabbeln in den Blütenstand und bestäuben dabei die am Grund verborgenen echten Blüten. Nach ein bis zwei Tagen ist der Spuk vorbei, das Hüllblatt welkt und der Riese sinkt in sich zusammen.
Wie ist die Titanwurz mit der Rafflesie verwandt?
Beide werden gern verwechselt, denn beide riechen nach Aas und stammen aus Sumatra – doch sie sind nicht näher verwandt. Die Rafflesie bildet die größte Einzelblüte der Welt und lebt als Schmarotzer auf Lianen. Der Titanwurz dagegen ist eine eigenständige Pflanze und bildet den größten Blütenstand (aus vielen kleinen Blüten). Der Titanwurz hält also den Rekord für den größten Blütenstand, die Rafflesie den für die größte Einzelblüte.
Wie lebt der Titanwurz zwischen den Blüten?
Die meiste Zeit sieht man vom Titanwurz gar keine Blüte. Aus der gewaltigen Knolle treibt in der Regel nur ein einziges, baumartig verzweigtes Riesenblatt aus, das mehrere Meter hoch und breit wird und wie ein kleiner Baum wirkt. Über dieses Blatt speichert die Pflanze jahrelang Energie in der Knolle, bis genug für die kräftezehrende Blüte zusammengekommen ist. Deshalb blüht ein Titanwurz nur alle paar Jahre.
Wusstest du das über den Titanwurz?
In botanischen Gärten wird jede Titanwurz-Blüte zum Medienereignis, weil sie so unvorhersehbar und kurzlebig ist – manche Gärten übertragen sie sogar per Live-Kamera. In Sumatra bedroht die Rodung der Regenwälder die Art in freier Natur, weshalb Erhaltungszuchten in Gärten weltweit an Bedeutung gewinnen.
Wie oft blüht ein Titanwurz?
Nur selten und unregelmäßig, oft erst nach mehreren Jahren des Kräftesammelns. Die einzelne Blüte hält dann nur ein bis zwei Tage.
Ist der Titanwurz dieselbe Pflanze wie die Rafflesie?
Nein. Der Titanwurz hat den größten Blütenstand, die Rafflesie die größte Einzelblüte. Beide riechen nach Aas, gehören aber verschiedenen Pflanzenfamilien an.
Ist der Geruch gefährlich?
Nein, er ist nur äußerst unangenehm. Der Aasgeruch dient allein dazu, aasfressende Insekten als Bestäuber anzulocken.
Kann man den Titanwurz in Deutschland sehen?
Ja, mehrere botanische Gärten kultivieren ihn. Wann er blüht, lässt sich jedoch kaum vorhersagen – Blühereignisse werden daher oft kurzfristig angekündigt.
Weitere außergewöhnliche Blütenpflanzen der Tropen zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Seinen Lebensraum beschreibt der Beitrag zum Regenwald von Indonesien.
