Passionsblume (Passiflora)

Passionsblume (Passiflora)

Die Passionsblume (Passiflora) ist eine tropische Kletterpflanze aus Amerika mit einer der kunstvollsten Blüten der Pflanzenwelt. Aus einigen Arten entstehen die essbaren Maracuja- und Passionsfrüchte. Ihre Blüte inspirierte Missionare zur Deutung der Leidensgeschichte Christi.

Die Passionsblume (Passiflora) ist eine tropische Kletterpflanze aus Amerika mit einer der kunstvollsten Blüten der Pflanzenwelt. Aus einigen Arten entstehen die essbaren Maracuja- und Passionsfrüchte. Ihre Blüte inspirierte Missionare zur Deutung der Leidensgeschichte Christi.

Nur wenige Blüten wirken so filigran konstruiert wie die der Passionsblume: Ein Kranz fadenförmiger, oft blau-violett gebänderter Nebenkrone umgibt die auffälligen Staub- und Fruchtblätter, die wie ein kleiner Turm aus der Mitte ragen. Die Gattung umfasst rund 500 Arten, von denen die meisten als rankende Lianen die Bäume des amerikanischen Regenwaldes erklimmen. Mit ihren Ranken hält sich die Pflanze fest und strebt dem Licht des Kronendachs entgegen.

HerkunftTropisches Amerika, wenige Arten in Asien und Ozeanien
FamiliePassionsblumengewächse (Passifloraceae)
WuchsformKletternde Liane mit Ranken, oft mehrere Meter lang
BlüteRadförmig mit auffälliger Nebenkrone (Strahlenkranz)
FruchtBeere; bei einigen Arten essbar (Maracuja, Passionsfrucht)
Artenzahlrund 500 Arten

Warum heißt sie „Passionsblume“?

Den Namen gaben ihr im 16. Jahrhundert spanische Missionare in Südamerika, die in der Blüte Symbole der Passion – des Leidens Christi – erkannten: Der Strahlenkranz stand für die Dornenkrone, die drei Narben für die Nägel, die fünf Staubblätter für die Wunden. So wurde die exotische Blüte zum Anschauungsmittel der Glaubensvermittlung. Botanisch hat die kunstvolle Form freilich einen ganz anderen Zweck – sie lockt Bestäuber an.

Wie wird die Passionsblume bestäubt?

Je nach Art übernehmen sehr unterschiedliche Tiere die Bestäubung: Große Bienen wie Holzbienen drängen sich unter die hängenden Staubblätter, manche Arten werden von Kolibris oder sogar von Fledermäusen bestäubt. Die Pflanze belohnt sie mit reichlich Nektar am Grund der Blüte. Viele Passionsblumen liefern zudem an eigenen Drüsen Nektar außerhalb der Blüte, mit dem sie Ameisen anlocken – diese verteidigen die Pflanze dann gegen Fressfeinde.

Welche Rolle spielt sie im Ökosystem?

Passionsblumen und Schmetterlinge liefern ein berühmtes Beispiel für den „Wettlauf“ der Evolution: Die Raupen der Passionsfalter (Heliconius) fressen fast nur Passiflora-Blätter, weshalb die Pflanzen giftige Abwehrstoffe bilden. Einige Arten ahmen sogar Schmetterlingseier auf ihren Blättern nach, um Weibchen von der Eiablage abzuhalten. So haben sich Pflanze und Falter über Jahrmillionen gegenseitig geformt – ein Musterbeispiel der Koevolution im Regenwald.

Wusstest du das über die Passionsblume?

Aus mehreren Arten gewinnt man begehrtes Obst: Die violette und die gelbe Passionsfrucht (Maracuja) sowie die größere Grenadilla sind weltweit beliebt. Getrocknete Blätter und Blüten einheimischer Arten werden zudem traditionell als beruhigender Tee verwendet.

Sind Maracuja und Passionsfrucht dasselbe?

Sie stammen von nah verwandten Passiflora-Arten. „Maracuja“ bezeichnet meist die gelbe, größere Frucht, „Passionsfrucht“ oft die kleinere, violette – kulinarisch werden die Begriffe häufig synonym verwendet.

Kann man Passionsblumen in Europa halten?

Einige Arten sind als Kübel- oder Kletterpflanzen beliebt und in milden Lagen sogar winterhart. Tropische Fruchtarten brauchen dagegen ein warmes Gewächshaus.

Sind alle Passionsfrüchte essbar?

Nein. Nur bestimmte Arten liefern genießbare Früchte. Unreife Früchte und die Blätter mancher Arten enthalten Bitter- und Abwehrstoffe und sind nicht zum Verzehr geeignet.

Warum lockt die Pflanze Ameisen an?

Über kleine Nektardrüsen außerhalb der Blüte bietet sie Ameisen Nahrung. Im Gegenzug vertreiben die Ameisen Raupen und andere Pflanzenfresser – eine Schutzpartnerschaft.

Weitere Kletterpflanzen und Blüten der Tropen zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Wie sich Lianen ins Kronendach hangeln, beschreibt der Beitrag zur Liane.