Orchideen

Orchideen

Orchideen bilden die artenreichste Pflanzenfamilie der Erde. Im tropischen Regenwald wachsen viele als Epiphyten hoch oben im Kronendach. Mit raffinierten Bestäubungstricks und feinen Samen haben sie fast jeden Lebensraum erobert.

Orchideen sind die artenreichste Pflanzenfamilie der Erde mit weit über 25.000 Arten. Im tropischen Regenwald wachsen viele als Epiphyten auf Ästen hoch im Kronendach, ohne dem Baum zu schaden. Berühmt sind sie für ihre raffinierten Bestäubungstricks, mit denen sie gezielt bestimmte Insekten anlocken.

Keine andere Pflanzenfamilie hat sich so vielfältig entwickelt wie die Orchideen. Von der Größe eines Fingernagels bis zu meterhohen Ranken, vom Boden bis in die Baumkronen reicht ihr Formenreichtum. Besonders im Regenwald, wo Licht und Raum knapp sind, haben Orchideen erstaunliche Wege gefunden, sich einen Platz zu sichern.

FamilieOrchideen (Orchidaceae) — die artenreichste Pflanzenfamilie der Erde
Wuchshöhe / Wuchsformmeist krautig; viele Arten epiphytisch (aufsitzend), andere am Boden oder auf Felsen; von wenigen Zentimetern bis mehrere Meter
Verbreitungweltweit außer in Wüsten und im Dauerfrost; Schwerpunkt in den feuchten Tropen aller Kontinente
Nutzung / ProduktZierpflanzen; die Vanille-Orchidee liefert das Gewürz Vanille
Rolle im ÖkosystemEpiphyten des Kronendachs; enge, oft artspezifische Beziehungen zu Bestäubern und Wurzelpilzen
Gefährdungviele Arten durch Lebensraumverlust und Sammeln bedroht; Handel durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt

Warum sind Orchideen die artenreichste Pflanzenfamilie?

Mit weit über 25.000 anerkannten Arten sind die Orchideen die artenreichste Pflanzenfamilie der Erde. Ihr Erfolg beruht auf extrem feinen, staubartigen Samen, die der Wind über weite Strecken trägt, und auf oft sehr engen Beziehungen zu bestimmten Bestäubern. Weil sich viele Arten auf einen einzigen Bestäuber spezialisiert haben, entstanden im Lauf der Evolution immer neue, voneinander getrennte Formen.

Was sind Epiphyten und warum wachsen Orchideen auf Bäumen?

Epiphyten sind Aufsitzerpflanzen, die auf Ästen und Stämmen anderer Pflanzen wachsen, ohne ihnen Nährstoffe zu entziehen. Sie sind keine Schmarotzer, sondern nutzen den Baum nur als Standort. Im dunklen Unterwuchs des Regenwaldes ist Licht knapp; im Kronendach dagegen scheint die Sonne. Als Epiphyten erreichen Orchideen dieses Licht, ohne selbst einen hohen Stamm bilden zu müssen. Luftwurzeln nehmen Wasser und Nährstoffe aus Regen und Luftfeuchte auf.

Wie funktionieren die Bestäubungstricks der Orchideen?

Orchideen locken Bestäuber mit ausgeklügelten Tricks. Manche Blüten ahmen in Form, Farbe und Duft ein paarungsbereites Insektenweibchen nach, sodass die Männchen bei der Scheinpaarung Pollen übertragen. Andere täuschen Nektar vor, den es gar nicht gibt, oder führen Insekten durch Gleitfallen. Der Pollen ist dabei zu handlichen Paketen (Pollinien) verklebt, die dem Bestäuber gezielt angeheftet werden. So gelangt der Pollen sicher zur nächsten Blüte derselben Art.

Woher kommt die Vanille?

Das Gewürz Vanille stammt von den fermentierten Fruchtkapseln einer kletternden Orchidee aus tropisch-amerikanischen Wäldern. Vanille ist damit das einzige weit verbreitete Lebensmittel, das von einer Orchidee gewonnen wird. In den meisten Anbaugebieten außerhalb der Heimat fehlt der natürliche Bestäuber, sodass die Blüten von Hand bestäubt werden müssen.

Sind Orchideen bedroht?

Viele wilde Orchideen sind bedroht, vor allem durch die Zerstörung ihres Lebensraums und durch das Absammeln beliebter Arten. Weil zahlreiche Arten nur in einem kleinen Gebiet vorkommen und eng an bestimmte Bestäuber und Wurzelpilze gebunden sind, reagieren sie empfindlich auf Störungen. Der internationale Handel mit Wildorchideen ist durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt.

Wie viele Orchideenarten gibt es?

Bekannt sind weit über 25.000 Arten, und laufend werden neue beschrieben. Damit sind die Orchideen die artenreichste Pflanzenfamilie der Erde.

Schaden epiphytische Orchideen dem Baum?

Nein. Epiphyten nutzen den Baum nur als Standort und entziehen ihm keine Nährstoffe. Sie versorgen sich über Luftwurzeln aus Regen, Luftfeuchte und angesammeltem Laub.

Brauchen Orchideen Pilze zum Keimen?

Ja, die winzigen Samen enthalten kaum Nährstoffe. In der Natur keimen sie meist nur mit Hilfe passender Wurzelpilze, die die junge Pflanze mit Nährstoffen versorgen.

Wachsen alle Orchideen auf Bäumen?

Nein. Im Regenwald sind viele Arten Epiphyten, doch andere wachsen am Boden oder auf Felsen. Die Familie besiedelt fast alle Lebensräume außer Wüsten und Dauerfrost.

Weitere Pflanzenporträts findest du im Hub Pflanzenwelt. Warum das Kronendach für Epiphyten so attraktiv ist, erklärt der Beitrag zu den Stockwerken des Regenwaldes. Wie enorm die Artenvielfalt der Tropen ist, zeigt der Grundlagentext Was ist Regenwald?. Eine weitere ungewöhnliche Regenwaldpflanze ist die Rafflesia.