Lianen sind verholzende Kletterpflanzen, die im Boden wurzeln und an Bäumen zum Licht emporwachsen. Sie sparen sich einen eigenen stabilen Stamm und nutzen stattdessen die Bäume als Stütze. Als lebende Brücken verbinden sie die Baumkronen und sind Wege für viele Tiere. Manche werden über 100 Meter lang.
Lianen prägen das Bild des Regenwaldes wie kaum eine andere Pflanzengruppe: als verworrene Seile, die von den Kronen herabhängen, und als dicke, gedrehte Stränge, die sich um Stämme winden. Sie sind keine einzelne Art, sondern eine Wuchsform, die in vielen Pflanzenfamilien unabhängig entstanden ist – ein cleverer Weg nach oben.
| Wuchsform | verholzende Kletterpflanze, im Boden wurzelnd |
|---|---|
| Strategie | nutzt Bäume als Stütze, statt einen eigenen tragenden Stamm zu bilden |
| Länge | oft mehrere Dutzend, teils über 100 Meter |
| Verbreitung | alle tropischen Regenwälder; besonders häufig an Waldrändern und Lichtungen |
| Bedeutung | verbinden Baumkronen, dienen Tieren als Wege und Nahrung |
Wie klettern Lianen nach oben?
Lianen haben ein grundlegendes Problem gelöst: Wie erreicht man das lebenswichtige Sonnenlicht im Kronendach, ohne einen dicken, teuren Stamm bauen zu müssen? Ihre Antwort ist das Klettern. Je nach Art nutzen sie Ranken, Haftwurzeln, Dornen oder windende Triebe, um sich an Bäumen festzuhalten und mit ihnen in die Höhe zu wachsen. Die gesamte Energie, die ein Baum in sein stützendes Holz steckt, sparen Lianen und investieren sie stattdessen in schnelles Längenwachstum und viele Blätter.
Warum sind Lianen wichtig für die Tierwelt?
Lianen verbinden benachbarte Bäume miteinander und schaffen so ein Netz aus lebenden Brücken hoch über dem Boden. Affen, Faultiere und viele andere Tiere nutzen sie als Wege durch das Kronendach, ohne auf den gefährlichen Waldboden hinabsteigen zu müssen. Zudem liefern viele Lianen Blätter, Blüten, Früchte und Nektar und tragen so erheblich zur Nahrungsvielfalt des Waldes bei.
Schaden Lianen den Bäumen?
Lianen und Bäume stehen in einem ständigen Wettstreit. Eine dichte Liane kann die Krone ihres Trägers überwuchern und ihm Licht rauben oder ihn durch ihr Gewicht bei Stürmen anfälliger machen. Man spricht deshalb von Strukturschmarotzern: Sie entziehen dem Baum keine Nährstoffe, konkurrieren aber um Licht und Halt. In gestörten Wäldern und an Waldrändern nehmen Lianen oft stark zu.
Wusstest du das über Lianen?
Zu den Lianen zählen auch wirtschaftlich wichtige Pflanzen: Die Rattanpalme etwa liefert das Rohr für Korbmöbel, und manche Wasserlianen speichern in ihrem Stamm so viel trinkbares Wasser, dass ein durchgeschnittener Trieb wie ein natürlicher Wasserhahn tropft – ein bekanntes Überlebenswissen im Regenwald.
Sind Lianen und Schlingpflanzen dasselbe?
Im Kern ja. Als Lianen bezeichnet man vor allem die verholzenden, dauerhaften Kletterpflanzen der Tropen. Krautige Kletterer nennt man dagegen meist Schling- oder Rankpflanzen.
Kann man sich an Lianen wirklich durch den Wald schwingen?
Das ist vor allem ein Filmklischee. Viele Lianen sind zwar reißfest, hängen aber nicht so frei und tragfähig, wie es Abenteuergeschichten nahelegen.
Wie alt werden Lianen?
Große Lianen können viele Jahrzehnte alt werden und mit ihrem Trägerbaum mitwachsen. Ihr Alter lässt sich an den Wachstumsringen im Stammquerschnitt ablesen.
Warum gibt es an Waldrändern mehr Lianen?
Dort fällt mehr Licht ein und es gibt viele Stützen. Lianen profitieren von diesen Bedingungen und breiten sich in gestörten oder aufgelichteten Wäldern besonders stark aus.
Weitere typische Gewächse zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Wie sich das Leben vom Boden bis in die Kronen staffelt, erklärt der Beitrag zu den Stockwerken des Regenwaldes.
