Helikonien (Heliconia) sind auffällige Stauden der amerikanischen Tropen mit leuchtend roten und gelben Hochblättern, die an Hummerscheren erinnern. Ihre Blüten sind eng an Kolibris als Bestäuber angepasst. Sie prägen den Unterwuchs des Regenwaldes und sind mit der Banane verwandt.
Kaum eine Pflanze bringt so viel Farbe in den grünen Unterwuchs des Regenwaldes wie die Helikonie. Ihre spektakulären, oft rot-gelben Blütenstände hängen wie Ketten aus dem Blattwerk und sind ein Sinnbild tropischer Üppigkeit. Zugleich sind sie ein Musterbeispiel dafür, wie eng sich Pflanze und Bestäuber im Regenwald aufeinander eingestellt haben.
| Familie | Helikoniengewächse (Heliconiaceae), mit der Banane verwandt |
|---|---|
| Wuchsform | krautige Staude, je nach Art 0,5–6 m hoch |
| Verbreitung | tropisches Mittel- und Südamerika sowie einige Pazifikinseln |
| Bestäuber | vor allem Kolibris |
| Besonderheit | farbige Hochblätter (Brakteen), nicht die eigentlichen Blüten, sorgen für die Show |
Was leuchtet an der Helikonie eigentlich so bunt?
Was wie eine große, farbige Blüte aussieht, sind in Wahrheit umgewandelte Hochblätter, sogenannte Brakteen. Sie sind wachsartig, kräftig gefärbt und oft schalenförmig. Die eigentlichen, unscheinbaren Blüten sitzen geschützt im Inneren dieser Brakteen. Diese Aufgabenteilung ist geschickt: Die auffälligen Hochblätter locken Bestäuber aus der Ferne an und halten zugleich Regenwasser bereit, während die kleinen Blüten den Nektar liefern.
Warum sind Helikonien und Kolibris aufeinander angewiesen?
Die Blüten vieler Helikonien sind lange Röhren, die genau zum Schnabel bestimmter Kolibris passen. Nur diese Vögel kommen an den tief verborgenen Nektar heran und übertragen dabei den Pollen von Blüte zu Blüte. Manche Helikonien-Arten haben sogar gebogene Blütenröhren, die auf den ebenso gebogenen Schnabel eines einzigen Kolibris zugeschnitten sind. Fällt der eine Partner aus, ist auch der andere in Gefahr – ein eindrückliches Beispiel für die enge Verzahnung des Lebens im Wald.
Welche Rolle spielt die Helikonie im Unterwuchs?
Helikonien bilden oft dichte Bestände im schattigen Unterwuchs und an Lichtungen. In den wassergefüllten Hochblättern und Blattachseln leben spezialisierte Insekten und Kleinstlebewesen, ähnlich wie in den Tanks der Bromelien. Ihre großen Blätter spenden Schatten, ihre Blüten Nahrung – und so werden sie zu kleinen Lebensinseln inmitten des Waldes.
Wusstest du das über die Helikonie?
Wegen ihrer leuchtenden, wochenlang haltbaren Hochblätter sind Helikonien beliebte Schnittblumen und Zierpflanzen in tropischen Gärten weltweit. Volkstümlich heißen sie oft „Hummerscheren“ oder „falsche Paradiesvogelblumen“, weil ihre Form an die Scheren eines Hummers oder an die Blüte der verwandten Strelitzie erinnert.
Ist die Helikonie mit der Banane verwandt?
Ja. Beide gehören zur selben Verwandtschaftsgruppe der Bananenartigen und ähneln sich im Aufbau ihrer großen Blätter und Blütenstände.
Kann man Helikonien im Zimmer halten?
In warmen, feuchten Gewächshäusern oder Wintergärten ja. Im normalen Zimmerklima sind sie anspruchsvoll, da sie viel Wärme und Luftfeuchtigkeit brauchen.
Warum sind die Blüten so unterschiedlich geformt?
Weil sich viele Arten auf jeweils einen bestimmten Kolibri als Bestäuber spezialisiert haben. Die Blütenform passt zum Schnabel des Partners.
Wie viele Helikonien-Arten gibt es?
Man kennt etwa 200 bis 250 Arten, die meisten davon in den feuchten Wäldern Mittel- und Südamerikas.
Weitere Blütenpflanzen des Waldes zeigt die Übersicht zur Pflanzenwelt des Regenwaldes. Wie ihre Bestäuber leben, liest du im Beitrag über die Kolibris.
