Rinderweiden: Der größte Waldvernichter

Die Umwandlung von Regenwald in Weideland für Rinder ist der wichtigste Einzelgrund für die Zerstörung des Amazonas. Ein Großteil der gerodeten Flächen wird zu Viehweiden. Der Hunger der Welt nach billigem Rindfleisch und Leder treibt die Abholzung voran.
Wenn im Amazonas Wald verschwindet, entsteht dort meist eine Rinderweide. Keine andere Nutzung frisst so viel Regenwald wie die Viehzucht. Das Muster ist fast immer gleich: Erst wird gerodet und gebrannt, dann grast das Vieh – und wenig später ist von der einstigen Artenvielfalt nichts mehr übrig.
| Anteil an der Amazonas-Rodung | der weitaus größte Teil der gerodeten Flächen wird zu Weideland |
|---|---|
| Hauptprodukte | Rindfleisch und Leder für den Welthandel |
| Wichtigstes Land | Brasilien – einer der größten Rindfleischexporteure der Welt |
| Zusatzfaktor | Landspekulation: Wald wird gerodet, um Landbesitz zu beanspruchen |
| Folge | ausgelaugte Böden, Artenverlust, hohe CO₂-Freisetzung |
Warum wird für Rinder so viel Wald gerodet?
Rinderhaltung ist im Amazonas billig und einfach: Der Boden ist zunächst kostenlos, das Vieh braucht kaum Ställe, und die Weide lässt sich mit wenig Aufwand anlegen. Wächst die Nachfrage nach günstigem Rindfleisch und Leder, lohnt es sich, immer neue Flächen zu roden. Hinzu kommt, dass gerodetes und mit Vieh besetztes Land oft als Nachweis für Besitzansprüche dient – Rinder sind damit auch ein Werkzeug der Landnahme.
Was passiert mit dem Boden nach der Rodung?
Der scheinbare Reichtum des Regenwaldes steckt nicht im Boden, sondern in den Pflanzen selbst. Ist der Wald erst gerodet, wäscht der Regen die wenigen Nährstoffe schnell aus, wie im Beitrag zu den Böden im Regenwald beschrieben. Nach wenigen Jahren ist die Weide erschöpft, das Vieh zieht weiter, und neuer Wald wird gerodet. So frisst sich die Viehzucht Stück für Stück tiefer in den Wald.
Was hat mein Konsum damit zu tun?
Ein Teil des Rindfleischs und Leders aus dem Amazonasgebiet landet auf dem Weltmarkt – in Form von Fleisch, aber auch in Lederwaren und Tierfutter. Auch wer nicht direkt Amazonas-Rindfleisch kauft, kann über den globalen Handel indirekt beteiligt sein. Der eigene Fleischkonsum ist damit ein Hebel: Weniger und bewusster Fleisch zu essen senkt die Nachfrage. Mehr dazu unter Was kann ich tun.
Wusstest du das über Rinderweiden?
Aus der Luft sind die Folgen deutlich sichtbar: An geraden Linien und rechteckigen Flächen erkennt man, wo Wald in Weide verwandelt wurde. Oft grenzt eine kahle Rinderweide direkt an dichten, artenreichen Urwald – ein scharfer Schnitt zwischen zwei Welten.
Ist Rinderzucht wirklich der größte Treiber der Amazonas-Rodung?
Ja. Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass der weitaus größte Teil der gerodeten Amazonasflächen zu Rinderweiden wird – mehr als für jede andere Nutzung.
Muss ich ganz auf Fleisch verzichten?
Nicht zwingend. Schon deutlich weniger Rindfleisch und der Griff zu Fleisch aus nachweislich entwaldungsfreier Herkunft entlasten den Wald spürbar.
Was ist mit Leder?
Leder ist ein Nebenprodukt der Rinderzucht und kann aus denselben Herkünften stammen. Auch hier helfen Herkunftsnachweise und ein bewusster Konsum.
Warum werden Weiden aufgegeben und neuer Wald gerodet?
Weil die Böden nach wenigen Jahren ausgelaugt sind. Statt alte Weiden aufwendig zu erneuern, ist es oft billiger, frischen Wald zu roden.
Weitere Ursachen der Zerstörung findest du in der Übersicht zur Bedrohung des Regenwaldes. Wie eng Rinder- und Sojaanbau zusammenhängen, zeigt der Beitrag über Soja.