Der weltweite Verlust an tropischem Primärwald ist 2025 deutlich zurückgegangen: Rund 4,3 Millionen Hektar gingen verloren, etwa 36 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024. Getrieben wird die Verbesserung vor allem von Brasilien. Doch der Verlust liegt weiter über dem Niveau von vor zehn Jahren – und Brände werden zum wachsenden Problem.
Eine große Auswertung von Satellitendaten liefert ein gemischtes Bild vom Zustand der Regenwälder: Im Jahr 2025 verschwand weltweit deutlich weniger unberührter Tropenwald als im Jahr zuvor. Nach Angaben des World Resources Institute (WRI) und der Universität Maryland, deren Daten über die Plattform Global Forest Watch veröffentlicht werden, gingen rund 4,3 Millionen Hektar tropischer Primärwald verloren – eine Fläche etwa so groß wie die Schweiz. Das sind rund 36 Prozent weniger als 2024, dem bisherigen Rekordjahr.
Wer treibt den Rückgang?
Der Hauptgrund für die Verbesserung liegt in Südamerika. In Brasilien sank der Waldverlust um 41 Prozent und erreichte einen der niedrigsten Werte seit Beginn der Messungen; ein großer Teil davon entfällt auf das Amazonasgebiet. Auch Kolumbien, Indonesien und Malaysia konnten ihre Verluste verringern oder stabilisieren. Das zeigt: Politischer Wille und konsequente Kontrolle wirken – dort, wo sie ernsthaft betrieben werden. Das deckt sich mit den jüngsten Rekordtiefs, die auch die brasilianischen Behörden für das Amazonasgebiet gemeldet haben.
Warum trotzdem keine Entwarnung?
So erfreulich der Rückgang ist – die absoluten Zahlen bleiben alarmierend. 4,3 Millionen Hektar in einem Jahr entsprechen rechnerisch etwa elf Fußballfeldern Wald, die in jeder Minute verschwinden. Zudem liegt der Verlust noch immer rund 46 Prozent über dem Wert von vor einem Jahrzehnt. Und nicht überall geht es voran: Länder wie Bolivien, die Demokratische Republik Kongo, Peru, Laos und Madagaskar zeigten keine Verbesserung. Der weltweite Rückgang steht und fällt damit mit wenigen großen Ländern – ein Rückschlag dort könnte den Trend schnell umkehren.
Brände als wachsende Gefahr
Besonders besorgniserregend ist die Rolle des Feuers. Brände verursachten 2025 rund 42 Prozent des weltweiten Baumverlusts – ein ungewöhnlich hoher Anteil. Die meisten dieser Feuer sind von Menschen gelegt, doch trockenere und heißere Bedingungen infolge des Klimawandels lassen sie außer Kontrolle geraten. Damit droht ein Teufelskreis: Ein geschädigter, trockenerer Wald brennt leichter, setzt dabei große Mengen CO₂ frei, heizt das Klima weiter an – und wird noch anfälliger für das nächste Feuer.
Was bedeutet das fürs Klima?
Tropische Primärwälder gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Wird solcher Wald zerstört oder verbrannt, gelangt der gespeicherte Kohlenstoff als CO₂ in die Atmosphäre, und zugleich geht die Fähigkeit des Waldes verloren, künftig CO₂ aufzunehmen. Jeder vermiedene Hektar Verlust ist deshalb doppelt wertvoll. Mehr dazu, warum der Wald fürs Weltklima so zählt, steht im Beitrag zur Bedeutung fürs Klima.
Einordnung
Der Rückgang von 2024 auf 2025 ist ein ermutigendes Signal – und ein Beleg dafür, dass die Zerstörung kein unabwendbares Schicksal ist. Ob daraus ein dauerhafter Trend wird, hängt davon ab, ob die Erfolge verstetigt und auf weitere Länder ausgeweitet werden. Die konkreten Zahlen und Datenkonventionen haben wir auf unserer Seite zur Regenwaldzerstörung in Zahlen zusammengetragen. Wir verfolgen die jährlichen Auswertungen weiter.
Quellen: World Resources Institute (WRI) und Universität Maryland, veröffentlicht über Global Forest Watch; Veröffentlichung der Auswertung am 29. April 2026. Die Angaben beziehen sich auf tropischen Primärwald und das Kalenderjahr 2025.
