Amazonas: Abholzung auf Zehnjahrestief

Amazonas: Abholzung auf Zehnjahrestief

Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Echtzeit-Überwachung gesunken. Zwischen August 2025 und Juli 2026 verlor der Wald rund 2.874 Quadratkilometer – etwa 36 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Waldbrände ging stark zurück. Ein Erfolg mit Vorbehalt.

Es ist eine der besten Nachrichten seit Jahren aus dem größten Regenwald der Erde: Im brasilianischen Amazonasgebiet wurde im vergangenen Messjahr so wenig Wald zerstört wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Das brasilianische Weltrauminstitut INPE, das die Entwaldung per Satellit überwacht, meldete für den Zeitraum August 2025 bis Juli 2026 einen Verlust von rund 2.874 Quadratkilometern. Das sind etwa 36 Prozent weniger als in den zwölf Monaten zuvor – und der niedrigste Wert, seit das Echtzeit-Warnsystem DETER die Rodungen erfasst.

Was genau wurde gemessen?

Die Zahlen stammen aus dem Überwachungssystem des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE), das per Satellit erkennt, wo im Amazonasgebiet Wald verschwindet. Ein Messjahr läuft dabei jeweils von August bis Juli, weil in diese Spanne sowohl die Regen- als auch die Trockenzeit fallen. Der aktuelle Wert von rund 2.874 Quadratkilometern entspricht einer Fläche etwa dreimal so groß wie Berlin. Das klingt weiterhin nach viel – und ist es auch. Doch im Vergleich zu den Jahren zuvor ist der Rückgang deutlich: Der brasilianische Präsident Lula da Silva sprach von der „niedrigsten Entwaldungsrate seit 2016″ und nannte die Entwicklung „fantastisch“.

Warum sinkt die Abholzung?

Der Trend hat vor allem politische Gründe. Zwischen 2019 und 2022 waren die Rodungszahlen unter der damaligen Regierung stark angestiegen; Kontrollen wurden gelockert und Umweltbehörden geschwächt. Seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 hat die Regierung um Präsident Lula den Kurs umgekehrt: mehr Überwachung, härteres Vorgehen gegen illegale Rodung und Bergbau, gestärkte Umweltbehörden. Dass sich strengere Politik unmittelbar in den Satellitendaten niederschlägt, zeigt, wie stark der Zustand des Waldes von Entscheidungen in der Hauptstadt abhängt. Genau dieses Auf und Ab hatten wir bereits auf unserer Seite zur Regenwaldzerstörung in Zahlen beschrieben.

Auch die Waldbrände gehen zurück

Nicht nur die Rodung, auch das Feuer im Wald ließ nach. Die unabhängige Beobachtungsinitiative MapBiomas meldete für das vergangene Jahr rund 3,1 Millionen Hektar von Bränden betroffene Fläche – etwa 80 Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist bedeutsam, denn Brände und Abholzung hängen eng zusammen: Häufig wird zunächst gerodet und dann gebrannt, um die Fläche in Weideland zu verwandeln. Weniger Feuer bedeutet daher meist auch weniger dauerhafte Zerstörung – und deutlich geringere Mengen des Treibhausgases CO₂, die dabei frei werden.

Warum die gute Nachricht mit Vorsicht zu genießen ist

So erfreulich die Zahlen sind – Entwarnung bedeuten sie nicht. Erstens beziehen sie sich auf das brasilianische Amazonasgebiet; in anderen Ländern und in benachbarten Ökosystemen wie der artenreichen Cerrado-Savanne sieht die Lage oft weniger günstig aus. Zweitens werden noch immer täglich große Waldflächen zerstört; ein Tiefstwert ist ein niedriger Wert, aber kein Nullwert. Und drittens warnen Fachleute seit Langem vor einem Kipppunkt: Wird zu viel Wald zerstört, könnte der Amazonas sein eigenes feuchtes Klima nicht mehr aufrechterhalten und großflächig austrocknen. Bis dahin ist jeder erhaltene Quadratkilometer ein Gewinn – aber der Wald bleibt verwundbar.

Was bedeutet das für den Schutz des Regenwaldes?

Der Rückgang zeigt vor allem eines: Regenwaldschutz wirkt, wenn er ernsthaft betrieben wird. Überwachung, konsequente Strafverfolgung und die Anerkennung indigener Gebiete – auf denen der Wald nachweislich am besten erhalten bleibt – können den Trend drehen. Das brasilianische Ziel, die Entwaldung bis 2030 vollständig zu stoppen, rückt damit ein Stück näher, ist aber noch lange nicht erreicht. Auch die Nachfrage in fernen Ländern spielt eine Rolle: Wer bewusst konsumiert und auf entwaldungsfreie Produkte achtet, trägt zum Erfolg bei. Konkrete Ansätze dazu finden sich auf unserer Seite Was kann ich tun.

Einordnung

Für den Amazonas-Regenwald, der als gewaltiger CO₂-Speicher eine Schlüsselrolle im weltweiten Klimaschutz spielt, ist die Nachricht ermutigend. Sie belegt, dass der jahrzehntelange Abwärtstrend kein Naturgesetz ist, sondern politisch beeinflussbar. Ob sich die Erholung fortsetzt, wird sich in den kommenden Messjahren zeigen – und hängt davon ab, ob der eingeschlagene Kurs beibehalten wird. Wir verfolgen die Entwicklung weiter.

Quellen: Nationales Institut für Weltraumforschung Brasiliens (INPE, DETER-System); Beobachtungsinitiative MapBiomas; Meldung der Nachrichtenagentur dpa vom 9. August 2026. Die genannten Zahlen sind Stand August 2026 und werden von den Behörden jährlich aktualisiert.